Hohe Anzahl von Behandlungsfehlern in der Pflege

Behandlungsfehler existieren in nahezu jedem Bereich der medizinischen Versorgung. Die Pflegebranche sticht dabei jedoch mit dem höchsten prozentualen Anteil an Fehlermeldungen hervor.

Behandlungsfehler: Was ist das überhaupt?

Kaum ein Bereich der medizinischen Versorgung kann sich von Behandlungsfehlern freisprechen. Auftreten können diese unter anderem im Patient*innengespräch, bei Befundserhebungen, Operationen oder auch bei der Medikamentenauswahl. Allgemein wird ein Behandlungsfehler als solcher eingestuft, wenn „die medizinische Maßnahme nicht dem allgemein anerkannten Standard entspricht, der zum Zeitpunkt ihrer Durchführung besteht“ (BMG 2020). Je nachdem wo der Fehler auftritt, kann dieser geringe bis schwerwiegende Auswirkungen auf die Betroffenen haben. Von Verunsicherung über das Gefühl von Hilflosigkeit bis hin zu massiven gesundheitlichen Einschränkungen ist alles möglich. Dabei ist es nicht eine bestimmte Gruppe von Akteur*innen, denen solche Fehler unterlaufen. Vielmehr kommt dies bei nahezu allen Gruppen vor, ob es nun Ärzt*innen, Hebamm*innen, Heilpraktiker*innen, Psychotherapeut*innen oder Pflegekräfte sind.

Pflege schneidet prozentual am schlechtesten ab

Auch die Pflege ist in einer Statistik zu Behandlungsfehlern in medizinischen Fachgebieten wiederzufinden. Diese wurde von dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK) durchgeführt und erfasste insgesamt acht medizinische Fachgebiete, in denen mehr als 500 Fälle gemeldet wurden. Zwar liegt die Pflege mit einer gemeldeten Fallzahl von 683 Behandlungsfehlern im Mittelfeld und noch weit unter der Orthopädie und Unfallchirurgie mit 4.665 gemeldeten Fällen, doch prozentual gesehen wurden in der Pflege von der gesamten Anzahl an Meldungen 59,2% nachgewiesen. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt, denn die anderen Bereiche weisen mit 20,5% in der inneren Medizin bis 37,2% in der Zahnmedizin deutlich geringere Fehlerquoten vor.

Ursachen für Behandlungsfehler in der Pflege

Konkrete Fakten zu den Ursachen für Behandlungsfehler in der Pflege gibt es nicht. Doch alle wissen: Personalmangel und Zeitdruck sind die alltäglichen Probleme der Branche. Hinzukommt aktuell auch noch die Corona-Pandemie, welche die bereits bestehenden Herausforderungen noch weiter verschärft. Der oft hektische Alltag der Pflegekräfte erschwert folglich die Arbeit und hat auch auf die Versorgungsqualität einen Einfluss. Wenn es immer schnell gehen muss, da es trotzdem gilt alle Patient*innen zu versorgen, schleichen sich gerne einmal Fehler mit ein. Daher sind die Arbeitsbedingungen sicherlich als maßgebend für die hohe Behandlungsfehlerquote in der Pflege anzusehen. Dennoch kann es auch aufgrund fehlender Qualifikationen und Kompetenzlücken zu diesen Fehlern kommen. Hier gilt es dafür zu sorgen, dass das eigene Personal stets auf dem aktuellen Stand ist, doch auch darum Fortbildungen zu ermöglichen und anzubieten.

Um Behandlungsfehler zu minimieren gilt es zunächst konkrete Analysen zu den Ursachen folgen zu lassen. Im Anschluss sollten diese evaluiert und nach Lösungsansätzen gesucht werden. Sehr wahrscheinlich ist allerdings bereits jetzt, dass wieder einmal die allgemeinen Arbeitsbedingungen von Pflegekräften im Fokus stehen.

 

Quellen:

BMG: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/patientenrechte/behandlungsfehler.html

Bundesaerztekammer: https://www.bundesaerztekammer.de/patienten/gutachterkommissionen-schlichtungsstellen/behandlungsfehler-statistik/

MDK (2020): Jahresstatistik 2019. Behandlungsfehler-Begutachtung der MDK-Gemeinschaft. Hg. v. Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS), Essen, München.

Stern: https://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/behandlungsfehler-in-den-verschiedenen-medizinischen-fachgebieten-9409200.html