Bessere Rahmenbedingungen in der Intensivpflege – während und nach Corona

Schlechte Rahmenbedingungen in allen Bereichen der Pflege sind nichts Neues. Der Pflegenotstand trifft alle Abteilungen – auch die der Intensivpflege. Gerade durch die Corona-Krise zeigen sich hier deutlich Mängel und Schwächen. Kritik, aber auch Lösungsansätze, gibt es dafür jetzt von der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN).

Diese Blogpost basiert auf dem Artikel „Drängen auf bessere Rahmenbedingungen in der Intensivpflege“ aus dem Ärzteblatt. Wir haben euch den Original-Beitrag unten zum nachlesen verlinkt.

Kritik an Rahmenbedingungen von der DGIIN

Von der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) werden die Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege stark kritisiert. Carsten Hermes, Sprecher der Sektion Pflege des DGIIN, sagt dazu: „Die Situation ist teils grenzwertig und wir brauchen langfristige Verbesserungen der Rahmenbedingungen.“
In einer aktuellen Stellungnahme bemängelt die DGIIN nicht nur die mangelnde Schutzausrüstung, sondern auch den Einsatz von Personal in fremden Arbeitsbereichen ohne auszureichende Einarbeitungszeit sowie die unzureichende personelle Ausstattung an Kliniken.

Krise – und keine qualitativ hochwertige Versorgung

Auch nach mehr als zwei Monaten in der Corona-Krise bestünde dieses Problem noch immer. Für Hermes, der selber Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensiv­pfle­ge sowie Betriebswirt im Sozial- und Gesundheitswesen ist, ist dies nicht akzeptabel. „Wir begrüßen die Idee der Vorhaltung von Intensivbetten. Allerdings müssen Pflegefach­personen und notwendiges Aushilfspersonal ebenfalls in Bereitschaft vorhanden sein, denn nur so ist eine adäquate und qualitativ hochwertige Versorgung der Betroffenen im Ernstfall gewährleistet“, sagt er weiter.

Das Problem ist kein Neues

Schlechte Rahmenbedingungen in der Intensivpflege sind kein neues Problem: Schon 2017 forderte die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz mehr finanzielle Ressourcen für die Intensivpflege und eine Aufstockung des Pflegepersonals. Damals waren bundesweit 3150 Stellen nicht besetzt – mit steigender Tendenz. Ein Lösungsansatz von der Pflegekammer des Problems war, nicht nur ein besseres Gehalt zu zahlen, sondern auch für Entlastung der Mitarbeiter*innen zu sorgen. Denn reine Vergütungsanreize allein würden nicht ausreichen, um an qualifiziertes Fachpersonal zu gelangen.

Die Lösung: Bessere Einarbeitung!

An dieser Kritik knüpft die DGIIN jetzt an und fordert außerdem für Pflegepersonal, das nicht speziell für die Intensivpflege ausgebildet ist, mehr praktische Workshops, Praxis- oder Gruppenanleitungen sowie eine Einarbei­tun­gen auf Station im Normalbetrieb außerhalb der Krisenzeit. Das soll bewirken, dass dieses Personal im Normalbetrieb seinen zugeteilten Tätigkeiten nachgehen kann, aber auch bei Notfällen die Intensivpflege sofort unterstützen kann.

Mehr Digitalisierung in Kliniken und Pflegeheimen ist notwendig

Eine Entwicklung von speziellen Strategien für den Besuch von Angehörigen während Krisen könnte ebenfalls hilfreich sein. Die Möglichkeiten, mit denen Patient*innen und ihre Angehörigen besser Kontakt halten können, müssen ausgebaut werden. „Es sollte drin­gend flächendeckend Technik für kostenlose Videotelefonie und dazugehö­rende WLAN-Kapazitäten verfügbar sein“, so die Expertengruppe der DGIIN. Angehörigen-Hotlines und eine gute seelsorgerische Betreuung von Patient*innen und Angehörigen können einen guten Beitrag zur Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen leisten.

Veränderungen sind dringend notwendig!

Das hohe Qualitätsniveau der Intensivpflege sollte erhalten bleiben und immer gewährleistet werden. Dafür sind aber bessere Rahmenbedingungen notwendig. Gerade jetzt, wo sich ein baldiger Regelbetrieb in den Kliniken und Pflegediensten abzeichnet, sollten Veränderungen und Verbesserungen von den Entscheidungsträgern angestoßen werden. Dafür sollte im besten Fall auch das Pflegefachpersonal direkt eingebunden werden.

Quellen:
https://www.dgiin.de/allgemeines/pressemitteilungen/pm-leser/intensivpflege-als-tragende-saeule-bei-der-pandemie-bewaeltigung-arbeitsbedingungen-in-der-intensivpflege-prekaerer-denn-je.html
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/113189/Draengen-auf-bessere-Rahmenbedingungen-in-der-Intensivpflege