Burnout bei pflegenden Angehörigen

Sowohl Pflegekräfte als auch pflegende Angehörige sind von Burnout durch die Versorgung Pflegebedürftiger betroffen. Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, versuchen oft, ihren Beruf, den Haushalt, ihr Privatleben und die Pflege unter einen Hut zu bringen – und stoßen dabei an ihre Grenzen. Sie können schwerer abschalten und sich Auszeiten nehmen. Denn die emotionale und physische Belastung ist hoch. Das Resultat ist Überforderung, Stress und schließlich Burnout.

Besonders hohe Belastung bei der Pflege zu Hause

Circa 2,6 Millionen Menschen sind pflegebedürftig. Von diesen werden beinahe die Hälfte, etwas über 1,2 Millionen, ausschließlich von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt. Die Pflege eines Angehörigen bringt eine hohe Belastung mit sich, denn die Sorge um den Pflegebedürftigen ist stets präsent und das Gefühl mit der Verantwortung allein gelassen zu werden, kann sich mit der Zeit verstärken. Dies bestätigte auch 2013 eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse. Sieben von zehn Befragten gaben an, dass sie sich gestresst fühlen und beinahe 40 Prozent, dass sie unter Dauerstress stehen. Im Bevölkerungsdurchschnitt stechen pflegende Angehörige besonders bei physischen und psychischen Erkrankungen wie Rückenschmerzen, Schlaf- oder Angststörungen und Burnout hervor. Darüber hinaus bleiben das Privatleben und die Freizeitgestaltung auf der Strecke. Nur jeder zweite Pflegende kann daher Kraft aus seinem Privatleben ziehen.

Hilfen in Form von finanzieller Unterstützung

2015 trat das erste Pflegestärkungsgesetz in Kraft, welches pflegenden Angehörigen höheres Pflegegeld zuspricht und den Anteil der Pflegesachleistungen bei der sogenannten Kombinationspflege mit einem ambulanten Pflegedienst erhöht. Die Pflegeversicherung versucht, die Pflegenden zu entlasten, indem sie die Ersatzpflege für bis zu 28 Tage im Jahr und bis zu 1.550 Euro anbietet. Die Ersatzpflege greift u.a. dann, wenn die pflegenden Angehörigen selber krank werden oder in den Urlaub fahren möchten. Dabei muss die Ersatzpflege keine examinierte Pflegekraft übernehmen. Sie kann von einem*r Freund*in oder Familienmitglied übernommen werden.

Burnout Symptome erkennen

Menschen, die an Burnout erkrankt sind, verspüren eine geistige, körperliche und emotionale Erschöpfung. Darunter leiden soziale Kontakte, das familiäre Umfeld und allen voran der*die Betroffene selbst. Zu wenig Schlaf, zu kurze Erholungsphasen und zu wenig Zeit summieren sich zur anhaltenden Erschöpfung. Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Antriebsschwäche, aber auch Rastlosigkeit, Hyperaktivität und innere Nervosität gelten als typische Burnout Symptome.

Sämtliche Anzeichen sollten ernstgenommen und mit einem Arzt besprochen werden.

Burnout vorbeugen und bekämpfen

Um Burnout effektiv vorzubeugen, sollte die Verantwortung der Pflege nicht bei einer einzelnen Person liegen. Freunde, Verwandte und ambulante Pflegedienste können pflegende Angehörige bei Entscheidungsfindungen und der Pflege unterstützen. Für die Pflegenden ist es wichtig, dass sie sich ihre eigenen Grenzen, Konflikte und Probleme bewusst machen und diese auch benennen. Zusätzlich sollten sie ihr Umfeld inkl. ihren Arbeitsplatz über die zusätzliche private Belastung informieren, damit dieses angemessen reagieren oder sogar unterstützen kann. Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training und sportliche Aktivitäten können helfen, Stress abzubauen. Ansonsten bieten verschiedene Versicherungen und Verbände Pflegekurse an, um Pflegemethoden und -techniken zu erlernen, die entlastend sein können.