Burnout: Pflegekräfte sind besonders gefährdet

Jede dritte Pflegekraft ist Burnout-gefährdet. Unterbesetzte Stationen, überbelastetes Personal: Die deutschen Pflegekräfte arbeiten in Kliniken und Altenheimen oft am Limit. Der Traumberuf des Pflegers kann sich schnell in einen Alptraum verwandeln. Und plötzlich ist man selbst ein Pflegefall und braucht Hilfe und Unterstützung.

Aber was genau ist das Burnout-Syndrom? Das Burnout-Syndrom ist der Zustand einer vehementen geistigen, körperlichen und seelischen Erschöpfung aufgrund von Überlastung. Grundsätzlich ist das Syndrom für berufliche Überlastung bekannt. Jedoch kann es jede Art von Überlastung sein. Zumal es verschiedene Faktoren gibt, die dazu führen können. Zu einem Burnout kommt es, wenn ein Mensch seine klaren Grenzen überschreitet und dadurch unter starker Erschöpfung leidet. Dieser Prozess ist schleichend und ist anfangs schwer bemerkbar. Jedoch gibt es viele Symptome, die ein Anzeichen für das Syndrom sein können.

Burnout – ein Problem für alle Pflegekräfte weltweit

Auch in anderen Ländern als Deutschland haben Pflegekräfte mit dieser Erkrankung zu kämpfen. Ein großer Anteil an europäischen und amerikanischen Pflegekräften ist mit ihrer Situation unzufrieden. 36 Prozent der deutschen Pflegekräfte wollen sich einen neuen Job suchen. Ganze 30 Prozent sagen, sie waren ausgebrannt. Und oft zeigt sich auch ein Zusammenhang zwischen dem Personalschlüssel, der Arbeitsumgebung und der Zufriedenheit der Patienten. Die Frustration von Pflegenden kann sich durchaus auf die Stimmung der Patienten auswirken. Diese beurteilten Kliniken und die Qualität der Pflege besser, wenn auch Pflegekräfte gute Noten vergeben hatten. Die „innere Kündigung“ von Pflegekräften bei Unzufriedenheit bringt einen Verlust von Mitgefühl und Empathie mit sich. Das kann fatale Folgen haben, wie heimliche oder sogar offene Aggressionen gegenüber den Patienten und Bewohnern. Diese werden dann nicht selten vernachlässigt oder sogar fixiert. In drastischen Fällen greifen Pflegekräfte sogar zu starken Beruhigungsmitteln, um Patienten ruhig zu stellen. Unzufriedenheit und schlechte Arbeitsbedingungen können also nicht nur Burnout mit sich bringen, sondern auch Gewalt in der Pflege provozieren.

Warum sind vor Allem Pflegekräfte betroffen?

Menschen zu helfen, wenn sie es am Dringendsten nötig haben – das zeichnet den Beruf als Pflegekraft aus. Doch aufgrund des derzeitigen Pflegenotstands stehen Pflegekräfte unter hohem Druck. Statt acht Stunden müssen bis zu 13 Stunden gearbeitet werden. Der Mangel an Personal sorgt für Belastung. Ein Pfleger muss anstelle von einem Patienten im Schnitt 13 Patienten in der Tagschicht versorgen. Nachts steigt die Zahl auf 19. Diese Umstände sorgen für Erschöpfung – und das ist nur der deutsche Durchschnitt, der auch Wohngemeinschaften oder Einzelversorgungen mit einbezieht. In der Realität muss eine Pflegekraft deutlich mehr Patienten betreuten. Dies wirkt sich bei den Pflegekräften nicht nur im Beruf, sondern auch ziemlich im Privatleben aus.

Symptome von Burnout

Ein knappes Drittel der deutschen Pflegekräfte gilt als Burnout-gefährdet. Klassisch bei dieser Krankheit: Nicht jeder erkennt sie selbst gleich. Burnout bezeichnet das Gefühl des „Ausgebranntseins“ und beinhaltet drei Komponenten: Die emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung und ein reduziertes Leistungsvermögen.
Symptome die vor dem Burnout auftreten können sind unter anderem:

  • Müdigkeit & Erschöpfung
  • das Gefühl der Überforderung
  • die starke Wahrnehmung von Misserfolg
  • die abnehmende Belastbarkeit
  • innere Leere
  • Konzentrationsstörungen & Nervosität
  • Gleichgültigkeit & Antriebsschwäche
  • Zynismus, Reizbarkeit, Anspannung
  • Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit
  • körperliche Symptome wie Schlafstörungen oder Kopfschmerzen

Somit umfassen die Symptome sowohl aggressives, als auch depressives Verhalten, aber auch körperliche Belastung. Wer derartige Symptome bei sich auffindet, sollte keinesfalls zögern einen Spezialisten aufzusuchen.

Folgen für den Betrieb

Eine unzufriedene Pflegekraft, die gestresst und nicht zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen ist, kann aber auch negative Auswirkungen für den Betrieb haben. Deshalb sollte mehr Wert auf die Zufriedenheit der eigenen Pflegekräfte gesetzt werden. Die Folgen von Burnout für den Betrieb können sein:

  • Mangelhafte Arbeitsqualität (Fehler treten auf)
  • Eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Motivation
  • Hoher Krankenstand
  • Schlechtes Betriebsklima
  • Fluktuation
  • Vermeidbare Betriebskosten durch Ausfälle und schlechte Arbeit
  • Emotionale Vernachlässigung der Pflegebedürftigen

Was kann man dagegen tun?

Es gibt einige Möglichkeiten um dem Zustand ein Ende zu bereiten, sowohl von Seiten des Betriebes aus, als auch als Pflegekraft selber. Dazu gehört, die Arbeitssituation zu ändern. Das muss nicht gleich bedeuten, einen komplett anderen Beruf zu ergreifen. Schon ein Wechsel in ein anderes Unternehmen oder etwa in die 1:1 Versorgung oder eine Intensivpflege-Wohngemeinschaft kann deutlich Entlastung mit sich bringen. Des weiteren sollten die eigenen sozialen Kontakte gestärkt werden. Freunde und Familie können in schwierigen Zeiten eine Unterstützung und ein guter Beistand sein. Zögere nicht, auf sie zuzugehen und schäme dich nicht für deine Krankheit. Eine Erholungspause zu machen kann eine weitere (und sehr naheliegende) Möglichkeit sein. Auch wenn du das Gefühl hast, auf der Arbeit läuft nichts ohne dich: Nimm dir die Zeit und mach deinem Arbeitgeber auch deutlich klar, warum du diese brauchst. Halte deine Ruhepausen strikt ein und mache eine Psychotherapie, wenn keine dieser Maßnahmen bei dir zu helfen scheint.