Corona-Helden – Sie alle verdienen viel zu wenig

Sie werden als die Helden der Coronakrise beklatscht und gelobt: Kassiererinnen, Pflegekräfte, Müllwerker. Das alles bringt aber wenig, wenn gerade diese systemrelevanten Jobs so schlecht bezahlt werden. Ein Gehaltscheck – und Appell.

Klatschen und Danke sagen

In der Coronakrise wird plötzlich deutlich, dass das Selbstverständliche absolut nicht selbstverständlich ist. Die PflegerInnen in den Krankenhäusern, die Paketboten und Müllwerker, die KassiererInnen und Regal-EinräumerInnen in den Supermärkten erfahren gerade sehr viel Wertschätzung durch die deutsche Bevölkerung. Zwischen den gelegentlichen Berichten über randalierende Klopapier-Käufer gibt es auch Kunden, die ihre Dankbarkeit durch ein Lächeln, ein „Danke“ oder Merci-Packungen ausdrücken. Und um abends klatscht ganz Deutschland für KassiererInnen und Pflegekräfte.

Auch die Politik sagt Danke

Die ansonsten so unauffälligen Berufe bekommen jetzt auch von der Politik mehr Aufmerksamkeit: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dankte den Supermarkt-Mitarbeitern in ihrer Fernsehansprache ausdrücklich dafür, dass sie „den Laden am Laufen halten“. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bezeichnete die sie im Interview als „Heldinnen und Helden des Alltags“. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) kündigte an, eventuelle Sonderprämien bis 1.500 Euro für den Einsatz in der Coronakrise von der Steuer zu befreien – und erhält dafür die Unterstützung aus der Unionsfraktion. Und auch online tut sich viel. Unter dem Hashtag #Wirbleibenzuhause zeigen viele, dass sie in den eigenen Vier Wänden bleiben, um eine Verbreitung des Virus einzudämmen. Nur so können die Pflegekräfte zur Zeit entlastet werden. #flattenthecurve ist hier das Ziel. Außerdem gibt es auch virtuellen Applaus, viele Postings von Influencern und sogar ein aufwändig produziertes Video eines bekannten YouTubers.

Finanzieller Bonus – aber nicht in der Pflege

Die ersten Supermärkte wie REWE haben bereits Prämien für ihre MitarbeiterInnen angekündigt. Insgesamt 20 Millionen Euro sollen dafür fließen. Angesichts des boomenden Geschäfts durch den Coronaschock zählen die Supermärkte zu den wenigen Gewinnerbranchen der Krise und können sich diesen Bonus durchaus leisten. Auch einige Pflegedienste haben angekündigt, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein finanzielles DANKESCHÖN auszurichten. Diese sind jedoch eine echte Rarität.

Ungleichheit unter Pflegekräften

Im Gesundheitswesen – zu dem außer Krankenhäusern noch Pflegeeinrichtungen oder Arztpraxen gehören – liegen die Gehälter je nach Qualifikation leicht unter beziehungsweise über dem deutschen Durchschnitt. Betrachtet man nur die Krankenhäuser, verdient man dort durchweg leicht überdurchschnittlich.

Gerade der Pflegebereich ist allerdings einen näheren Blick wert. Denn dort wird höchst unterschiedlich verdient – und die Krankenhäuser sind leider die positive Ausnahme. Das zeigt eine Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über die Verdienste im Jahr 2017. Bei den Zahlen handelt es sich allerdings auch nur um die Mediangehälter der Branche.

Schlechte Bezahlung als Ursache für den Fachkräftemangel

Pflegekräfte sind also häufig, aber nicht generell schlecht bezahlt. In Krankenhäusern ist die Bezahlung zumindest ordentlich, in Pflegeheimen und erst recht in der ambulanten Pflege hingegen meist deutlich unter dem deutschen Mittelwert für entsprechende Qualifikationen.

Diese schlechte Bezahlung ist eine der Ursachen für den ausgeprägten Fachkräftemangel in der Pflege – der für die betroffenen Arbeitnehmer mitunter als das noch größere Problem wahrgenommen wird: Die Arbeitsbelastung in Heimen und ambulanter Pflege ist enorm hoch.

Das Klatschen der Menschen ist eine gut gemeinte Geste der Dankbarkeit. Es hilft jedoch nicht dabei, die Situation der Pflegekräfte zu verbessern. 

Die Gehälter der Corona-Helden im Überblick:

  • Chefärztin bzw. -arzt: 142.557 Euro
  • Oberärztin bzw. -arzt: 121.083 Euro
  • Fachärztin bzw. -arzt: 80.378 Euro
  • Apotheker/-in: 54.170 Euro
  • Online-Redakteur/-in: 40.411 Euro
  • Krankenpfleger/-in: 38.554 Euro
  • Erzieher/-in: 36.325 Euro
  • Heilerziehungspfleger/-in: 35.852 Euro
  • Altenpfleger/-in: 32.932 Euro
  • Arzthelfer/-in: 31.030 Euro
  • Berufskraftfahrer/-in: 29.616 Euro
  • Einzelhandelskauffrau/-mann in der Lebensmittelbranche: 28.126 Euro
  • Kassierer/-in: 26.824 Euro

Quelle: FOCUS Online