Das 7/7-Arbeitszeitmodell: Viel Freizeit und Platz für Bezugspflege

Weg vom 3-Schicht-System – das 7/7-Arbeitszeitmodell verspricht dem Personal in stationären Einrichtungen ein Ende für wechselnde Dienstzeiten und dafür mehr Freizeit, Bezugspflege und zufriedeneres Personal. Das Modell wurde von der Deutschen Seniorenstift Gesellschaft ins Leben gerufen und auf die Probe gestellt. Der Mut rentierte sich am Ende.

Wie funktioniert das Arbeitszeitmodell?

Die Pflegekräfte arbeiten an sieben aufeinander folgenden Tagen, gefolgt von sieben freien Tagen mit lediglich einem individuell geplanten Tag für administrativen Aufgaben. Ihre Schichten umfassen jeweils 12 Stunden, wovon jedoch jeweils zwei Stunden Pause sind. Das klingt erstmal nach viel Belastung, bringt jedoch zahlreiche Vorteile mit sich. Unter anderem, dass der wöchentliche Wechsel den Dienstplan für das gesamte Jahr im voraus durchsichtig macht. Auch sind drei Wochen Urlaub am Stück mehrmals im Jahr möglich, was insbesondere für Familien sehr attraktiv ist.

Zahlreiche Vorteile für Arbeitnehmer

Die langen Schichten sind durch das Arbeitszeitmodell natürlich zunächst eine große Umstellung. Jedoch bringen sie auch deutlich weniger Zeitdruck und Stresssituationen mit sich. Aufgrund des höheren Personalschlüssels werden einzelne Mitarbeiter weniger belastet und leiden nicht weiter unter immensem Zeitdruck. Aufgaben können besser auf den Tag und verschiedene Kollegen verteilt werden, die Pflege muss nicht im Akkord zu einer bestimmten Zeit erledigt sein. Auch spontanes Einspringen aufgrund von Krankheitsfällen oder Urlaubstagen entfällt fast gänzlich durch die gute Besetzung. Zudem verringert sich der Ausfall aufgrund von Krankheit deutlich.
Der Dienstplan beinhaltet keine Wechselschichten mehr und ist für das gesamte Jahr fest geplant. Das macht nicht nur die Urlaubsplanung unglaublich komfortabel, sondern ist auch gleichzeitig besonders familienfreundlich. Auch mit den freien Wochen ist Raum geschaffen, sich gänzlich auf die Familie, Freizeitaktivitäten oder Kurzurlaube zu konzentrieren.
Durch Einsparungen bei den Fahrtkosten, bringt das Arbeitszeitmodell durchaus auch finanzielle Vorteile für Arbeitnehmer. Aufgrund der geringeren Arbeitstage müssen die Pflegekräfte den Weg zur Arbeit seltener auf sich nehmen.

Höhere Patienten-/Bewohnerzufriedenheit

Aufgrund der konstanten Betreuung und Versorgung mit weniger Personalwechsel haben die Bewohner nicht nur mehr Sicherheit und Ruhe. Der menschliche Faktor bezieht wieder den Mittelpunkt, die Pflege ist dabei ein Mitläufer. Die Mitarbeiter haben mehr Zeit, individuell und mit Ruhe auf den jeweiligen Pflegebedürftigen einzugehen. Das „Satt-Sauber-Trocken-Prinzip“ aufgrund von Personal- und Zeitmangel findet keinen Fuß mehr. Die Bewohner sind ausgeglichener und deutlich zufriedener. Nicht zuletzt, weil das Arbeitszeitmodell auch neue Freiräume für Aktivitäten schafft. So können aufgrund der guten Besetzung spontane Ausflüge, Grillabende und Einkaufstouren verwirklicht werden.

Arbeitgeber profitiert vom 7/7-Arbeitszeitmodell

Auch für die Einrichtungen gibt es Positives zu vermerken. Aufgrund des längeren freien Zeitraums kann sich das Personal deutlich besser erholen. Der Ausfall durch Überbelastungen und Krankheitsfällen verringert sich dadurch signifikant, das Personal kann lukrativer geplant werden. Hierdurch entfallen nicht nur zusätzliche Planungen, sondern auch Kosten, welche unter anderem in die Zeitarbeit investiert werden müsste. Die Pflegedokumentation vor Ort gewinnt deutlich an Qualität, da diese mit mehr Ruhe und Sorgfalt durchgeführt wird.
Die Wettbewerbsfähigkeit steigt ebenfalls. Zufriedenheit von Personal und Klienten spricht sich herum. Die Einrichtung kann nicht nur mit zahlreichen attraktiven Arbeitsbedingungen werben, sondern profitiert auch von guter Mundpropaganda.