Dem Pflegenotstand entgegen: Tausende Stellen unbesetzt

Der in Deutschland herrschende Pflegenotstand hat sich in den letzten Jahren stark verschärft. Tausende Stellen in der Alten- und Krankenpflege sind unbesetzt, die Dunkelziffer an fehlenden Kräften deutlich höher. Die Minister Giffey und Spahn gehen weiter gegen den Personalmangel vor.

Arbeitskräfte aus dem Ausland gegen den Pflegenotstand

Bereits seit letztem Jahr akquiriert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Pflegearbeitskräfte aus dem Ausland. Auch der Berliner Konzern Vivantes hat nun erneut zahlreiche Auszubildende aus dem Vietnam geholt. In ihrem Heimatland sind die Auszubildenden bereits Pflegekräfte, so dass sie bei Vivantes eine auf zwei Jahre verkürzte Lehrzeit sowie eine Übernahmegarantie bekommen.
Jetzt will Spahn Pflegekräfte bereits im Ausland ausbilden lassen. Mit einem Zuschuss von mehreren Millionen Euro will der Politiker Kooperationsschulen in anderen Ländern gewinnen und dort die Pflegekräfte auf die Arbeit im Inland vorbereiten. Auch ein Deutschkurs soll Teil des Unterrichts sein. Laut Spahn können die Fachkräfte direkt nach der abgeschlossenen Ausbildung in Deutschland ihre Arbeit beginnen.

Kritik an ausländischen Schulen

Bei der Zuwanderung von Pflegekräften muss bedacht werden, dass auch die Partnerländer Pflegefachkräfte benötigen, so Kritiker zu Spahns Lösungsansatz. Zudem seien die Pflegestandards in anderen Ländern oft deutlich unter dem in Deutschland. Auch die Finanzierungsfrage bleibt bestehen, da heimische Ausbildungsplätze weiterhin erhalten und besetzt werden müssen. Bereits bei dem Anfang des Jahres in Kraft getretenen Personal-Stärkungsgesetz wurde deutlich, dass es an qualifiziertem Personal fehlt. Das Gesetz schaffte zwar tausende Arbeitsplätze, der Personalmangel ging dennoch weiterhin zurück. Einen Lösungsansatz bringt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey.

Giffeys Kampagne gegen den Pflegenotstand

Mit ihrer kommende Woche startenden Kampagne will Giffey offensiv gegen den Mangel an qualifizierten Fachkräften vorgehen. Zukünftig will sie das Schulgeld für die Pflegeausbildung abschaffen und stattdessen eine Vergütung gewährleisten. Auch die Zukunftsperspektiven werden durch attraktivere Inhalte verbessert und ermöglichen ein anschließendes Studium. Von dem Projekt erhofft sich die Ministerin einen großen Zuwachs an Auszubildenden und sieht diesem Schritt nach vorne positiv entgegen.

Nach der Personalgewinnung die Personalerhaltung

Doch der horrende Personalmangel kann nicht über Nacht abgeschafft werden. Zudem ist die Arbeitskräftezufriedenheit ein ebenso wichtiger Punkt und muss mit der Personalgewinnung zusammenspielen. Ein Gesetz für bessere Pflege-Löhne ist bereits im Bundestag und aufgrund der schnell voranschreitenden Digitalisierung, die auch im Pflegesektor herrscht, werden die Arbeitsbedingungen verbessert.