Der Job als Pflegekraft in anderen Ländern – Was Deutschland sich noch abgucken sollte

Pflegekräfte in allen Ländern stehen in einem wesentlich engeren Kontakt zu den Patienten und dessen Bedürfnissen, als Ärzte und andere Berufe es je können. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Pflegefachkräfte ausreichend medizinische Kenntnisse besitzen. Im Ausland sind die Tätigkeiten des Pflegepersonals jedoch viel umfangreicher als in Deutschland. Was können wir uns vielleicht noch von anderen Ländern abgucken – und was eher nicht?

Vergleich mit anderen Ländern: Deutschland ist das Schlusslicht

Deutschland liegt im Vergleich zu anderen Ländern in der Pflege im Hinblick auf die Akademisierung, die Verantwortung bei der Patientenversorgung oder das Thema Ausbildung zurück. Das zeigte die Studie „Pflege in anderen Ländern: Vom Ausland lernen?“ der Stiftung Münch. Neben Deutschland kämpfen u.a. auch Großbritannien, Kanada, Schweden und die Niederlande mit dem Fachkräftemangel und mit der Sicherung der pflegerischen Versorgung bei steigendem Bedarf in allen Versorgungsbereichen. Jedoch investieren die anderen Länder vermehrt in die hochschulische Aus- und Weiterbildung von Pflegefachkräften. Auch Maßnahmen zur Stärkung der Selbstorganisation und -verantwortung der Pflege sowie die Erweiterung pflegerischer Aufgaben- und Verantwortungsbereiche werden dort stärker gefördert.

Aus diesem Grund betonte Stephan Holzinger, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Münch, die Bedeutung der Arbeitgeber bei der Integration ausländischer Pflegekräfte in deutsche Unternehmen. In Deutschland gäbe es eine ausgeprägte Dominanz der Ärzte im Umgang mit den Pflegekräften. „Pflegekräfte aus anderen Ländern sind es gewohnt, fachlich auf einem höheren Niveau zu arbeiten.“* Aus diesem Grund sollten diese auch in Deutschland auf Augenhöhe mit den Ärzten arbeiten können, um die ausländischen Pflegekräfte nicht zu demotivieren.

Es sollten folglich in Deutschland mehr Pflegekräfte akademisch ausgebildet und ihnen mehr Kompetenzen eingeräumt werden, um mit den anderen Ländern mithalten zu können und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Frankreich: Krankenpfleger erhalten mehr Wertschätzung

In Frankreich sind die Arbeitsbedingungen von Krankenpflegerinnen und -pflegern noch schlechter als in Deutschland. Jedoch ist die Zahl der Bewerber für Krankenpflegeschulen in Frankreich gestiegen. Außerdem besitzen die Franzosen weit mehr Berechtigungen, um technische und medizinische Handlungen durchzuführen als Fachkräfte in Deutschland. Der Beruf wird von der französischen Bevölkerung zusätzlich sehr wertgeschätzt – und genau deshalb wollen immer mehr junge Menschen in diesem Beruf arbeiten. Sie schätzen die Arbeit mit älteren Patienten und wissen, welche Verantwortung sie tragen, wie wichtig sie für die Gesellschaft sind. Das wird auch so kommuniziert und genau deshalb schätzen die Franzosen ihre Krankenpfleger mehr, als wir Deutsche das tun.

USA: Eigene Pflegevorsorge

In den USA muss jeder selbst für den Krankheits- und Pflegefall vorsorgen. Beispielsweise können freiwillige Pflegeversicherungen, Sparverträge für den Pflegefall oder soziale Hilfsprogramme abgeschlossen werden. Auch die USA hat wie in Deutschland Schwierigkeiten, genügend nachfolgende Pflegekräfte für die immer älter werdenden Patienten zu generieren. Sie setzen ebenfalls auf das Ermöglichen einer würdigen und individuellen Pflege für jeden Einzelnen. Aber reicht das?

Skandinavien: Kommunen verwalten die Pflege

In den skandinavischen Ländern werden die Pflegeeinrichtungen im Vergleich zu Deutschland nicht von kommerziellen Trägern, sondern von den Kommunen verwaltet. Aus diesem Grund herrscht kein Wettbewerb zwischen den Trägern und die Arbeitskräfte können besser bezahlt und zeitlich weniger belastet werden. Daher kümmern sich die skandinavischen Altenpflegekräfte im Schnitt auch um weniger Patienten als in Deutschland. Und dennoch stehen auch diese Länder vor dem Problem des steigenden Pflegebedarfs aufgrund der Überalterung der Bevölkerung. Im Gegensatz zu Deutschland besitzen diese Länder allerdings eine recht stabile Bevölkerungsentwicklung, da die Geburten- und Sterberate sich ausgleichen.
Liegt also die Lösung unseres Pflegermangels eigentlich in einem ganz anderen Bereich?

Der Vergleich zeigt: jedes Land geht unterschiedlich mit dem Pflegenotstand um, und das ist auch gut so. Genauso gibt es in allen Bereichen immer Verbesserungspotenzial. Der ein oder andere Blick über die eigenen Ländergrenzen kann aber dabei helfen, neue Ideen und Ansätze zur Verbesserung der eigenen Situation zu finden.

*Quelle: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/100819/Ruf-nach-mehr-Kompetenzen-fuer-Pflegekraefte