Digitalisierung: Neue Aufgabenfelder für die Pflege

Digitalisierung, Fortschritt und technische Innovationen finden mittlerweile Einzug in nahezu alle Lebensbereiche unserer Gesellschaft. Lange Zeit lag der Fokus des Digitalisierung-Diskurses auf der Industrie und inwiefern sich Produktions- und Arbeitsprozesse im Zuge der „Industrie 4.0“ verändern. Jetzt ist diese Debatte auch im Kontext der Pflegearbeit angekommen. Welche Herausforderungen und welche Chancen sich tatsächlich konkret daraus ergeben, ist bislang nur schwer absehbar. Genaueres wird erst die Zukunft zeigen. Fest steht jedoch bereits jetzt, dass sich durch die Implementierung digitaler, technischer Innovationen auch neue pflegefremde Aufgaben in den Arbeitsalltag von Pflegekräften integrieren werden.

Diese Innovationen gibt es in der Pflege

Innerhalb der vergangenen Jahre wurden mehrere gesundheits- und pflegebezogene Technologien entwickelt. Im pflegerischen Kontext lassen sich diese technischen Innovationen
zunächst in zwei verschiedene Gruppen einteilen: Mit der ersten Gruppe werden Technologien beschrieben, die einen direkten Einfluss auf die Beziehung, bezüglich der Intensität, der Form und des Inhalts zwischen den Pflegekräften und den Patient*innen haben. Hierzu zählen zum Beispiel sogenannte AAL-Systeme (Ambient Assisted Living). Mit Hilfe dieser sollen Patient*innen in der selbstständigen und unabhängigen Lebensführung unterstützt werden. Gleichzeitig zielen sie darauf ab, den Ressourcenverbrauch an professionellen Pflegeleistungen zu regulieren. Mit der zweiten Gruppe sind Managementtools gemeint. Dazu zählen zum Beispiel Programme zur Dienstplanung oder elektronische Patientenakten. Diese sollen hauptsächlich dazu beitragen Zeit zu sparen und die Organisation zu verbessern.

Ganz neue Aufgabenfelder für Pflegekräfte

Als sich die ersten konventionelleren Technologien in der Pflege etablierten, wurde schnell klar: Für Pflegekräfte bedeutet dieser Wandel einen Zuwachs an neuen Aufgaben, die nicht direkt mit ihren pflegerischen Tätigkeiten im Zusammenhang stehen. Das Problem: Neue technische Innovationen bringen immer auch neue Funktionen und Möglichkeiten mit sich. Zudem können auf diesem Weg auch weitere Aufgabenfelder in der Pflege entstehen, die vorher und in dieser Form noch nicht existierten. Die Folge ist ein Mehraufwand für Pflege- und Führungskräfte, denn es werden neue Kompetenzen vorausgesetzt, die nicht Teil der Ausbildung waren. Das Angebot digitaler, technischer Innovationen ist sehr vielseitig. Für einen effizienten Einsatz müssen Pflege- und Führungskräfte sich gut mit der jeweiligen Technologie auskennen. Wenn das Wissen noch nicht vorhanden ist, muss sich dieses angeeignet werden. Das kostet viel Zeit und Energie, die Pflegekräfte bekanntlich nicht immer haben.

Technikinnovationen in der Pflege: Pflegefremde Aufgaben und dennoch notwenig?

In der Forschung wird die Pflege oft als Nachzügler bei der Digitalisierung gesehen. Doch auch hier gibt es immer mehr Fortschritte. Durch digitalen Fortschritt lässt es sich viel besser auf den demographischen Wandel reagieren. Diese äußern sich in der Pflegebranche durch eine steigende Anzahl an Älteren Menschen und somit auch an Pflegebedürftigen. Gleichzeitig sinkt die Anzahl der verfügbaren Fachkräfte. Technischen Innovationen und deren Entwicklung wird daher eine zentrale Bedeutung zugesprochen, um dennoch eine bedarfsgerechte und qualitativ ansprechende Pflege zu ermöglichen. Programme zur Zeiterfassung und Dienstplanung könnten genutzt werden, um ambulante Touren realitätsnäher und flexibler zu gestalten. So könnte mehr Zeit für Patient*innen und Pflegekräfte generiert und die Pflege entlastet werden. Die elektronische Patientenakte könnte sicherstellen, dass alle relevanten Informationen zu den Personen unmittelbar abrufbar wären. So können Entscheidungen schneller und gezielter getroffen und Prozesse optimiert werden.

Inwiefern die Potenziale einer digitalisierten Pflege genutzt werden können, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht konkret sagen. Dass durch die digitalen Technologien neue und pflegefremde Aufgaben in den Arbeitsalltag von Pflegekräften Einzug erhalten ist wiederum sehr wahrscheinlich.

Quellen:

Christine Weiß (2015): Technikentwicklungen in der professionellen und informellen Pflege. In: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (Hg.): Intelligente Technik in der beruflichen Pflege. Von den Chancen und Risiken einer Pflege 4.0. Berlin, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Initiative Neue Qualität der Arbeit: Offensive Gesund Pflegen), S. 6–9.

Manfred Hülsen-Giesler (2015): Neue Technologien in der Pflege. Wo stehen wir – was ist zu erwarten? In: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (Hg.): Intelligente Technik in der beruflichen Pflege. Von den Chancen und Risiken einer Pflege 4.0. Berlin, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Initiative Neue Qualität der Arbeit: Offensive Gesund Pflegen), S. 10– 13.

Mario Daum (2017): Digitalisierung und Technisierung der Pflege in Deutschland. Aktuelle Trends und ihre Folgewirkungen auf Arbeitsorganisation, Beschäftigung und Qualifizierung. Hg. v. DAA-Stiftung Bildung und Beruf, INPUT Consulting – Gemeinnützige Gesellschaft für Innovationstransfer, Post und Telekommunikation mbH. Stuttgart, Hamburg.

Ulrike Rösler et al. (2018): Digitalisierung in der Pflege. Wie intelligente Technologien die Arbeit professionell Pflegender verändern. Berlin: Geschäftsstelle der Initiative Neue Qualität der Arbeit; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Ulrike Hörmann, Laura Schwarz (2017): Kompetenzanforderungen an pflegerische Führungskräfte in technikbezogenen Innovationsprozessen. In: Pfannstiel, Mario A.; Krammer, Sandra; Swoboda, Walter (Hg.): Digitale Transformation von Dienstleistungen im Gesundheitswesen III. Impulse für die Pflegepraxis. Wiesbaden: Springer Gabler, S. 151–171.