Fünf Lösungsansätze für den Pflegenotstand

Die wohl einfachste und effektivste Lösung gegen den Pflegenotstand ist ein attraktiverer Beruf mit besseren Arbeitsbedingungen. Trotzdem gibt es verschiedene Ansätze, wie man den Fachkräftemangel sonst noch bekämpfen könnte. Pflegekräfte aus dem Ausland holen, Hartz IV-Empfänger zur Pflege verpflichten oder der Vermehrte Einsatz von Technologien sind solche Ansätze.

1. Pflegekräfte aus Spanien

Die Idee, Pflegekräfte aus dem Ausland zu holen um den Pflegenotstand zu bekämpfen, ist natürlich nichts Neues. Doch meistens sollen diese von ganz weit Weg kommen und nicht direkt aus Europa.
Die EU-Arbeitsmarktintegration und die entsprechenden Maßnahmen auf EU-Ebene zur Förderung der innereuropäischen Qualifikationsanerkennung und Vermittlung von Fachkräften sollen in Deutschland dazu beitragen, dem Fachkräftemangel im Pflegebereich entgegenzuwirken.

Laut den Auswertungen des Mikrozensus des Statistischen Bundesamts waren 2015 über 3,1 Millionen Personen in Berufen des Gesundheits- und Pflegesektors erwerbstätig. Davon besaßen ca. 419.000 eigene Migrationserfahrung. Das bedeutet, dass aktuell mehr als jeder zehnte Erwerbstätige im Gesundheits- und Pflegebereich nach Deutschland zugewandert ist. Von den 419.000 zugewanderten Erwerbstätigen Pflegekräften stammen immerhin 183.000 aus anderen EU-Mitgliedsstaaten – das sind ganze 44%. Pflegekräfte aus Ländern wie Spanien nach Deutschland zu holen, ist also nicht abwegig.

Für alle ausländischen Pflegekräfte, egal ob EU oder nicht, gelten die gleichen Vorraussetzungen: Es müssen Sprachkurse in Deutschland besucht werden, sowohl im Heimatland als auch später in Deutschland. Anschließend muss die berufliche Qualifikation anerkannt werden.

Gesundheitsminister Jens Spahn möchte jetzt auch Pflegekräfte aus der ganzen Welt anheuern. Dafür reiste er z.B. in den Kosovo, auf die Philippinen und jetzt auch nach Mexiko. Lest hier mehr dazu.

2. Zur Pflege ins Ausland

Doch warum auf ausländische Pflegekräfte warten, wenn man im Alter auch einfach selbst ins Ausland gehen kann, um sich dort pflegen zu lassen? Das denken sich nach einer Umfrage der „Apotheken Umschau“ immer mehr Deutsche. Grund dafür ist einerseits der große Mangel an Pflegekräften hier im Land, aber auch finanzielle Gründe spielen eine Rolle. Viele haben die Sorge, dass sie sich die Pflege in einem deutschen Pflegeheim oder einer privaten Pflege nicht leisten können. Da liegt es nahe, sich für eine kostengünstigere Alternative im Ausland zu entscheiden.

3. Pflege-Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger

Dieser Ansatz ist nicht unbedingt neu, aber noch aktuell. Unter anderem verfolgt der Landkreis Mittelsachsen diese Strategie. Langzeitarbeitslose Hartz IV-Empfänger sollen zur Arbeit in der Pflege verpflichtet werden. Man ist sich dabei zwar bewusst, dass es sich um eine große Herausforderung handelt, aber in der Region steht man hinter dem Plan. Für die Idee muss aber erstmal die aktuelle Gesetzeslage geändert werden. Kritik gibt es von vielen Seiten, unter anderem weil es sich bei den Hartz IV-Empfängern um fachfremde Kräfte handelt. Sie haben keine Ausbildung, kein Studium und keine Weiterbildungen gemacht und somit sei die qualifizierte Pflege nicht gewährleistet.

4. Akademisierung – die Lösung für den Pflegenotstand?

Hoch qualifizierte Pflegekräfte und Pflegeexperten gibt es in anderen Ländern en masse. Deutschland soll endlich an internationale Standards anschließen. Selbst in Großbritannien, das immer als Negativbeispiel genannt wird, wenn es um Gesundheitssysteme geht, ist uns voraus. Hier betreut speziell ausgebildetes Fachpersonal (sogenannte Clinical Nurse Specialists) die Patienten überwiegend selbstständig. Ärzte werden erst hinzugerufen, wenn der Zustand der Patienten sich verschlechtert. Akademisch qualifizierte Pflegekräfte werden dringend benötigt. Die Robert Bosch Stiftung veröffentlichte das Manifest „Mit Eliten pflegen“ im Jahr 2018, weil das „Sofortprogramm Pflege“ im Koalitionsvertrag ihnen nicht genug war. Zusammen mit einer Expertengruppe wurde erarbeitet, was notwendig ist, um mehr Fachpersonal für die Pflege zu gewinnen. Die Ergebnisse sind naheliegend: Der Beruf müsse insgesamt attraktiver werden und bessere Karrierechancen bieten. Dafür müsse man der Pflege aber mehr und auch neue Verantwortung übertragen. Dies könne beispielsweise durch die geregelte Übernahme von ärztlichen Aufgaben der Primärversorgung im ländlichen Raum oder mehr professionelle Autonomie bei allen Interventionen, die pflegerische Fachexpertise verlangen, geschehen.

5. Einsatz von Technologie gegen den Pflegenotstand

Es gibt bereits eine Vielzahl an technologischen Innovationen, die den Pflegenden die Arbeit erleichtern können. Bei einer Weiterentwicklung und einem flächendeckenden Einsatz dieser Technologien geben manche Unternehmen an, so bis zu 50.000 Vollzeitpflegekräfte ersetzen zu können, weil einfachere Aufgaben von Robotern oder Computern übernommen werden können oder bestimmte Abläufe stark vereinfacht und verkürzt werden können. Welche Chancen die Digitalisierung für die Pflege und den Pflegenotstand bieten kann, erfahrt ihr in unserem Blogbeitrag „Die Digitalisierung kommt – und macht den Pflegeberuf attraktiver“.