Initiative Pflegeinnovationen 2030 – Pflege mit Technik verbinden

Während die Gesellschaft immer älter wird, wachsen die qualitativen und quantitativen Anforderungen an die Pflege. Vorberechnungen des Statistischen Bundesamtes sagen voraus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen von rund 2,5 Millionen im Jahr 2014 auf bis zu 3,4 Millionen im Jahr 2030 steigen wird. Laut dem Pflegereport der Bertelsmann Stiftung werden 2030 rund eine halbe Millionen Vollzeitkräfte in Pflegeberufen fehlen. Tatsächlich stieg die Zahl der Pflegebedürftigen bereits Ende 2017 auf 3,4 Millionen an, was aber der Einführung des neuen, weitergefassten Pflegebedürftigkeitsbegriffes Anfang 2017 geschuldet ist.

Die Belastung pflegender Angehöriger und Pflegekräfte wächst. Damit es nicht zu einer Überbelastung kommt, sollen technische Innovationen den Alltag der Pflegebedürftigen und die Arbeit der Pflegenden erleichtern und zwar sowohl zu Hause, in Krankenhäusern, in der stationären und in der ambulanten Pflege. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt deshalb die Entwicklung und Erforschung neuer Pflegetechnologien und hat die Initiative Pflegeinnovationen 2030 ins Leben gerufen.

Was kann Technik leisten?

Viele wünschen sich im Alter, so lange wie möglich zu Hause wohnen zu bleiben. Damit das möglich ist, muss für den Erhalt und die Förderung der Selbstständigkeit gesorgt werden und pflegende Angehörige müssen so gut es geht unterstützt und entlastet werden. Technische Assistenzsysteme bieten sich als eine sinnvolle Lösung hierfür an. Sie sollen die Lebensqualität und Selbstständigkeit älterer Menschen unterstützen und dabei versteckt, unaufdringlich und intelligent in das Zuhause eingebunden werden.

Einige technische Assistenzsysteme wurden bereits entwickelt, die die Pflege und das Wohnen auch im eigenen Zuhause erleichtern: Es wurden telemedizinische Lösungen und technische Helfer realisiert, die Teile der täglichen Hausarbeit übernehmen. Auch gibt es inzwischen Kommunikationsmittel, die einfach und intuitiv bedienbar sind und somit den Kontakt mit dem sozialen Umfeld erleichtern sowie innovative Mobilitätslösungen. Drei Beispiele für solche technischen Assistenzsysteme in der Pflege sind:

1. Systeme, die die alltäglichen Aktivitäten erfassen

Mittels solcher Systeme soll frühzeitig erkannt werden, ob Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf auftreten, um auf diese, wenn nötig, reagieren zu können. Dafür wird die wohnungseigene Infrastruktur genutzt und es werden keine aufwendigen Systeme extra eingebaut. Eine Möglichkeit ist, funkablesbare Zähler für Gas, Wasser und Strom zu installieren und dadurch Aktivitätsmuster zu erstellen und auszuwerten.

2. Intelligente Fußböden

Solche Fußböden sollen vor allem Stürze erfassen, aber sie können auch das Monotoring der Aktivität unterstützen. Sie bestehen aus vielen einzelnen Sensormatten, die die Position und das Bewegungsverhalten von Personen ausmachen und analysieren. Dadurch kann auf die Aktivität der Person reagiert werden.

3. Quartiersvernetzung

Die Vernetzung von Dienst- und Betreuungsleistungen hilft, die verschiedenen Bedürfnisse von Menschen in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld zu bedienen. Der Fokus liegt vor allem auf alltagsunterstützende und haushaltsnahe Dienstleistungen. Über solche Systeme können lokale Informationen bezogen werden, wie Öffnungszeiten, Apothekennotdienste, Arzttermine, Lieferdienste und Community-Dienste.

Technische Systeme, die die Pflege unterstützen sollen, befinden sich meist an Schnittstellen zwischen alltagsweltlichen Konsumprodukten und medizinisch-pflegerischen Hilfsmitteln. Sie bedienen lebensweltliche Aspekte des Wohlbefindens, der Gesundheit und Pflege und bieten Anschlussmöglichkeiten an die Kommunikation im Gesundheits- und Pflegewesen. Beim sogenannten Ambient Assisted Living (AAL) liegt der Fokus auf der Lebensqualität und das unabhängige Leben Pflegebedürftiger, bspw. mittels Erinnerungssysteme. Technische Assistenzsysteme und Telenursing Produkte beziehen sich dagegen mehr auf medizinisch-pflegerische Produkte. Mittlerweile kann davon ausgegangen werden, dass auch die Service– und Emotionsrobotik in der Pflege einen höheren Stellenwert bekommen wird, um Dienstleistungen in einem nicht-industriellen Umfeld zu unterstützen und emotionale Reaktionen und Bindungen zwischen Mensch und Maschine herzustellen.

Technische Innovationen kann die Arbeit pflegender Angehöriger und Pflegekräfte erleichtern. So helfen die kontinuierliche, automatisierte Erhebung, Dokumentation und insbesondere auch der Austausch von Daten dabei, eine Basis an Informationen zu erschaffen, die die Planung, Durchführung und Evaluation der Pflege optimieren. Außerdem führen sie zu einer psychischen und physischen Entlastung, indem u.a. Trage- und Hebehilfen die alltägliche Belastung bei der Pflege verringern.

Insgesamt sollen technische Innovationen in der Pflege und in dem Gesundheitswesen vor allem Folgendes leisten:

  • die Kosten im Gesundheits- und Pflegesystem dämpfen, da immer mehr Menschen alt und krank sind und immer weniger Menschen arbeitstätig, gibt es weniger Beitragszahlende und es kommt zu Finanzierungslücken
  • dem Arbeitskräftemangel entgegenwirken
  • bei belastenden Tätigkeiten helfen oder diese sogar übernehmen, damit es nicht zu einer Überbelastung der Pflegenden kommt
    auch einwohnerarme Regionen mit Gesundheits- und Pflegedienstleistungen versorgen
  • Menschen, die Pflege oder Hilfe benötigen, zu unterstützen, damit diese so lange wie möglich zu Hause ein selbstbestimmtes Leben führen und am sozialen Leben teilhaben können
  • neue Märkte öffnen, die wohlstandsfördernd oder sichernd wirken

Technik zu Hause – Vor- und Nachteile für Pflegebedürftige

Quelle: wegweiser-demenz.de

Viele ältere oder pflegebedürftige Menschen haben den Wunsch, möglichst lange zu Hause zu bleiben. Technische Hilfsmittel können dabei helfen, diesen Wunsch zu erfüllen, denn gerade im häuslichen Bereich ist der Einsatz solcher Mittel oft niederschwellig möglich und bereits getestet worden. Mittlerweile gibt es intelligente Hausnotrufsysteme, Abschaltvorrichtungen für elektrische Geräte, Transpondersysteme, die z.B. Türen selektiv öffnen können und Sensorsysteme, die Daten über den Gesundheitszustand und die Lebensweise des Menschen sammeln und diese dann weiterleiten. Einige wenige Möglichkeiten das Zuhause mit Technik auszustatten und so sicher wie möglich zu machen, werden nun vorgestellt.

Alltagshelfer

Hilfsmittel im Alltag sind besonders wichtig, damit pflegebedürftige Menschen in ihrem Zuhause wohnen und so selbstständig wie möglich bleiben können. Sichere Haushaltsgeräte schützen vor potentiellen Gefahrensituation, indem sich Geräte wie Herdplatten oder Bügeleisen automatisch abschalten. Darüber hinaus gibt es Rauch-, Gas- und Wassersensoren, die mittels eines Warntones über Störungen informieren und wenn keine Reaktion auf den Warnton erfolgt, direkt eine Notrufzentrale benachrichtigen. Für mehr Sicherheit und Orientierung in den eigenen vier Wänden können bereits beleuchtete Lichtschalter, Lichter mit Bewegungsmeldern oder beleuchtete Wegweiser sorgen, denn sie können Stürze in der Nacht verhindern. Ein weiteres sehr wichtiges Hilfsmittel unterstützt die eigenständige Medikamenteneinnahme. Intelligente Medikamentenspender erinnern an die Einnahme und lassen sich auch mit dem Hausnotruf oder einer Servicezentrale koppeln.

Intelligente Notrufsysteme

Moderne, intelligente Notrufsysteme erfordern kein aktives Handeln, sondern sie erkennen automatisch die Notsituation des/der Betroffenen und können dadurch Hilfe kontaktierten. Dafür verwenden sie ein Netz unterschiedlicher Systeme, bestehend aus Bewegungssensoren, Kontaktsensoren und intelligenter Gebäudetechnik, die in das Haus integriert werden und über Sensoren die nötigen Informationen erfassen. Die Systeme beobachten und analysieren das Verhalten und können anhand der Daten feststellen, wenn Abweichungen auftreten und diese dann, wenn nötig, an Akteure wie Angehörige oder Pflegedienste weiterleiten. Aussagekräftige Daten werden z.B. durch die Analyse von Haustürbewegungen gesammelt oder durch Bewegungsmelder, die die Schlafqualität erfassen. Dadurch kann frühzeitig festgestellt werden, ob sich der/die Betroffene sozial zurückzieht oder körperlich abbaut und so präventiv interveniert werden.

Außerhäusliche Mobilität

Damit auch kognitiv veränderte, wie z.B. demenziell erkrankte Menschen zu Hause wohnen bleiben können und ihre Mobilität auch außer Haus behalten, gibt es Assistenzsysteme, die über GPS Tracking und über Geofencing verfügen. Dadurch wird der Aufenthaltsort festgestellt und es werden gesicherte Zonen festgelegt, die die Person nicht überschreiten darf. Wenn er oder sie es doch tut, wird ein Alarm ausgelöst, der über individuell einstellbare Eskalationsstufen verfügt. Ortungssysteme in Kombination mit Notfall– und Serviceketten können dazu beitragen, dass kognitiv veränderte Menschen in das gesellschaftliche Leben inkludiert werden, in ihrem eigenen Zuhause bleiben können und sie entlasten zugleich Betreuungs- und Pflegepersonal oder pflegende Angehörige.

Kommunikation und Interaktion

Die Teilhabe am sozialen Leben ist nicht nur für das individuelle Empfinden von Bedeutung, sondern auch für die körperliche und geistige Gesundheit. Menschen, die sich einsam fühlen, bauen signifikant schneller motorische und kognitive Fähigkeiten ab. Die Teilhabe an dem gesellschaftlichen Leben hängt vom Individuum, aber auch von Kontextbedingungen, Gesellschafts- und Sozialfaktoren ab. Sogenannte Quartiersplattformen können hier Abhilfe schaffen, indem sie Kommunikation, Dienstleistungen und Betreuungsservices umfassen und diese koordinieren. Der virtuelle Raum wird mit dem realen verknüpft und baut so lokale Versorgungsstrukturen auf, die ältere oder erkrankte Menschen bei der sozialen Teilhabe unterstützen.

Technik in der Pflege – Vor- und Nachteile für Pflegekräfte

Quelle: wegweiser-demenz.de

Vieles ändert sich auch in der Arbeit der Pflegekräfte, wenn technische Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Das betrifft die Arbeitsprozesse, Kommunikations- und Entscheidungsprozesse und beeinflusst die Verteilung der Verantwortlichkeiten. Assistenzsysteme können neben vielen Vorteilen auch Nachteile mit sich bringen, die im Rahmen des Niedersächsischen Forschungsverbundes „Gestaltung altersgerechter Lebenswelten“ von Expert*innen aus der Pflegewissenschaft gesammelt wurden.

Vorteile:

Systematische Datenerfassung und Informationsweitergabe verbessert die Unterstützung und Versorgung
Frühzeitiges Erkennen von Auffälligkeiten und Veränderungen z.B. durch Sensorensysteme ermöglichen eine frühzeitige Intervention
Verbesserter Daten- und Informationsaustausch optimieren die Zusammenarbeit mit verschiedenen Dienstleistungen
Technische Hilfsmittel entlasten Pflegekräfte physisch
Technische Hilfsmittel entlasten Pflegekräfte psychisch
Pflegerische Intervention, die auf eine systematische Erfassung und Analyse von Daten beruht, bietet die Chance der Professionalisierung
Neue Dienstleistungen, z.B. Beratung erkrankter oder älterer Menschen und deren Angehörige im Umgang mit den technischen Hilfsmittel oder Koordination der Dienstleistungen im Rahmen von Quartiersplattformen

Nachteile:

Mehr Arbeitsaufwand durch pflegefremde Tätigkeiten (Datenerhebung, -auswertung, administrativer Aufwand
Mehraufwand durch unzuverlässige technische Systeme
Datennutzung für ökonomische Zwecke
Weniger Kontakt zwischen Pflegekraft und den zu pflegenden Menschen
Weniger Beziehungs- und Interaktionsarbeit, Datenmessung nun im Vordergrund
Pflegeverständnis verändert sich: Keine körpernahe und interaktive Beziehungsarbeit. Pflegeverständnis beruht nun auf objektivierbare und messbare Phänomene
Lebensbedingungen, kommunikative und psychosoziale Aspekte nicht mehr im Blickwinkel
Rationalisierungseffekt und Abbau von Arbeitsplätzen
Datenschutzverletzungen
Privatsphäre der Pflegebedürftigen und Pflegekräfte wird weniger gewahrt
Kritische Sichtweisen auf Pflege und Technik
Quellen: vdivde-it.de ; wegweiser-demenz.de

Das Verhältnis zwischen Pflege und Technik ist von Spannungen gekennzeichnet. Technik kann Entlastung und andere positive Folgen mit sich ziehen, aber auch negative Folgen. Kritische Aspekte, die die Arbeit von Pflegekräften mit Technik betreffen, wurden bereits vorgestellt. Es gibt aber auch ganz grundlegende Fragen, die den Umgang und möglichen Einsatz von technischen Hilfsmitteln in der Pflege betreffen. So fehlen z.B. bisher tragfähige Finanzierungskonzepte, die alle Akteuere einbinden, die von solchen technischen Innovationen einen Nutzen haben. Auch gibt es keine klaren Multiplikator*innen, die das Wissen und die Informationen über Innovationen weitertragen. Es fehlt an Informationen und Beratung. Welche technischen Neuerungen es bereits gibt, ist der Masse nicht bekannt. Deshalb kommen sie nicht zum Einsatz, weder auf professioneller noch privater Seite.

Ob Technik soziale Gerechtigkeit ermöglicht, wurde bislang noch nicht hinreichend untersucht. Dazu müssen Fragen geklärt werden wie: Wer hat den Nutzen? Wer trägt die Kosten? Kann die menschliche Interaktion und Kommunikation durch Technik verbessert werden? Und: Wird die Sicherheit durch sie wirklich verstärkt? Studien und wissenschaftliche Untersuchungen der einzelnen Pflegetechnologien und -innovationen könnten dabei helfen, einige Fragen zu klären.

Generell müssen laut dem BMBF und anderer Institutionen einheitliche Standards für den Einsatz von technischen Assistenzsystemen entwickelt werden, um die Qualität und die Funktionsweise gewährleisten zu können. Nicht zu vernachlässigen ist auch die ethisch-juristische Frage nach der Autonomie und Privatsphäre der Pflegebedürftigen und Pflegekräfte. Das betrifft insbesondere auch GPS Tracking und Geofencing Systeme, die die Bewegungsfreiheit beschränken und Privatsphäre verletzen.

Der Fokus sollte bei dem Einsatz von Technik in der Pflege auf der Pflege liegen und nicht auf der Bedienung von Geräten, damit der Mensch weiterhin im Vordergrund steht. Technische Hilfsmittel sollen mehr Zeit für menschliche Zuwendung ermöglichen, den Menschen nicht entmündigen und den hohen Ansprüchen an Datenschutz, Sicherheit und Zuverlässigkeit genügen.

Geschichte der Forschung und Förderung von Pfegeinnovationen

Bereits 2002 stand der demographische Wandel in dem Pflegebereich und Gesundheitswesen im Mittelpunkt der Überlegungen des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH für einen neuen Forschungsschwerpunkt: Ambient Assisted Living. Damals wie heute soll die Lebensqualität und Selbstständigkeit älterer Menschen verbessert und unterstützt werden mittels versteckter, intelligenter technischer Assistenzsysteme. Sechs Jahre später veröffentlichte die BAMF den ersten nationalen Forschungsschwerpunkt: Unterstützung des sicheren und selbstständigen Wohnens zu Hause. Seitdem wurde das Thema in Richtung Pflege ausdifferenziert und Schwerpunkte wie „Assistierte Pflege von morgen“ 2011 und Pflegeinnovationen 2020 im Jahr 2014 gesetzt.

Andere Ministerien wie das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) haben das Thema auch aufgegriffen. Das BMG veröffentlichte 2013 die Studie „Unterstützung Pflegebedürftiger durch technische Assistenzsysteme“. Im April 2012 verabschiedete die Bundesregierung die Demographiestrategie „Jedes Alter zählt“, welches konkrete Ziele und Maßnahmen nennt, um mit Forschung neue Lösungen, Produkte und Dienstleistungen voranzutreiben, die die Lebensqualität älterer Menschen steigern. Im September 2014 hat sie eine neue Strategie veröffentlicht, die sich auf Innovationen im Pflegebereich bezieht, die für Wachstum und Wohlstand in der Zukunft sorgen sollen.

Pflegeinnovation 2030

Quelle: www.bmbf.de

Mit der Pflegeinnovation 2030 will das Bundesministerium für Bildung und Forschung bedarfsgerechte und qualitätsvolle Pflege ermöglichen. Dafür unterstützt es die Entwicklung und Erforschung neuer Pflegetechnologien, die helfen sollen, pflegende Menschen zu entlasten und Pflege, egal ob zu Hause, in einer Reha-Klinik oder anderen Einrichtungen, zu verbessern. Technische Assistenzsysteme wie intelligente Pflegebetten helfen den Pflegealltag zu verbessern und zu entlasten. Solche Innovationen sollen ein Bestandteil eines umfassenden Veränderungsprozesses des Pflegesystems darstellen und soziale, organisatorische und technische Neuerungen verbinden.

Laut der Bekanntmachung von 2014 ist der leitende Gedanke der Initiative, dass technische Innovationen nicht zu einer Entmenschlichung der Pflege führen, sondern sollen mehr Freiraum für zwischenmenschliche Zuwendung eröffnen. Um die kritischen Aspekte, die mit technischen Hilfsmittel in der Pflege einhergehen, zu berücksichtigen, sollen Forschungs- und Entwicklungsprojekte gefördert werden, die relevante ethnische, rechtliche und soziale Fragen berücksichtigen und einen verantwortungsvollen Gebrauch mit der Technik gewährleisten.

Was sollen die Projekte berücksichtigen?

Projekte, die gefördert werden sollen, müssen verschiedene Bedürfnisse der zu pflegenden Personen und der Pflegenden berücksichtigen oder andere erkennbare signifikante Nutzen für die Pflege aufweisen, wie z.B.:

Reduktion und Vermeidung körperlicher Belastung

Erhöhung der Sicherheit oder des Sicherheitsempfindens
Krisenerkennung leisten
Aktivierend wirken
Situative Informationsbereitstellung und Wissensvermittlung (z.B. Lagerungs- und Hebetechniken)
Ressourcenoptimierung
Unterstützung in der Pflegedokumentation
Touren- und Personalplanung optimieren
Akteure aus der Medizin und Pflege vernetzen
usw.
Pflegeinnovationen müssen darüber hinaus finanzierbar und in regionalen und organisationsspezifischen Pflegekonzepten einsetz- und umsetzbar sein. Sie müssen Barrieren und fehlende Motivation für den Technikeinsatz berücksichtigen und andere mögliche Problematiken, die auftreten können, z.B. bei der Weitergabe von Informationen oder bei Datenschutz.

Für die Entwicklung von technischen Innovationen in der Pflege sind folgende Systemeigenschaften relevant, damit diese auch in der Praxis umsetzbar sind:

Individuelle, aufgaben- und prozessbezogene Adaption
Einfache Bedienung
Kontextgerechte Interaktion
Sicherer Technikeinsatz

Wer darf beantragen?

Antragsberechtigt für Fördergelder sind sämtliche Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft.

Was wird in welchem Umfang gefördert?

Es gibt sechs verschiedene BMBF-Förderschwerpunkte in der Pflege, die mit jeweils einem Fördervolumen im Umfang von 15-20 Millionen Euro gefördert werden: Die Assistierte Pflege von Morgen, Pflegeinnovationen für Menschen mit Demenz, Pflegeinnovationen zur Unterstützung informell und professionell Pflegender, Innovationen für die Intensiv- und Palliativpflege, Cluster „Zukunft der Pflege: Mensch-Technik-Interaktion für die Praxis“ und Robotische Systeme für die Pflege. Das Forschungsprogramm Cluster „Zukunft der Pflege“ ist das aktuellste Forschungsprogramm, weshalb es im Folgenden näher erläutert wird.

Cluster „Zukunft der Pflege: Mensch-Technik-Interaktion für die Praxis“

Das BMBF hat 2017 einen neuen Cluster „Zukunft der Pflege“ gestartet, welches zum Forschungsprogramm „Technik zum Menschen bringen“ gehört. Bis 2022 werden 20 Millionen Euro Fördergelder bereitgestellt, die die Forschung im Bereich Technik und Pflege vorantreiben sollen. In diesem Cluster werden soziale und technische Innovationen in der Pflege zusammengebracht, denn Forschung, Wirtschaft und Pflegepraxis arbeiten gemeinsam mit Anwendern an neuen technischen Produkten für die Pflege. Dabei steht die Perspektive des Menschen immer im Vordergrund und ihre individuellen Fähigkeiten und Wünsche sollen bei der Entwicklung berücksichtigt werden.

Als erster Baustein des neuen Pflegeclusters wurde im Juni 2017 ein noch nie Dagewesenes Pflegeinnovationszentrum (PIZ) eröffnet, in dem Ingenieure und Pflegewissenschaftler gemeinsam neue Technologien unter realistischen Bedingungen erforschen. Seit Anfang 2018 gibt es Pflegepraxiszentren (PPZ) in Hannover, Freiburg, Nürnberg und Berlin. Dort werden die neu erforschten Pflegetechnologien im pflegerischen Alltag auf ihre Praxistauglichkeit hin getestet. Da die vier Zentren in klinische, stationäre und ambulante Bereiche bereits bestehender Einrichtungen integriert wurden, können sie die Pflegeinnovationen breitgefächert erproben. Die Pflegepraxiszentren vermitteln ihr Wissen auch in die pflegerische Aus- und Weiterbildung, wodurch die Innovationskraft der Pflegebranche gesichert wird.

Quellen:

https://www.bmbf.de/de/pflege-erleichtern-5479.html

https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-973.html

https://vdivde-it.de/de/thema/pflege

https://www.wegweiser-demenz.de/fileadmin/de.wegweiser-demenz/content.de/downloads/10_informationen_fuer_Fachkraefte/intelligente-technik-in-der-beruflichen-pflege.pdf

https://www.pflegeinnovationszentrum.de/wp-content/uploads/2018/12/1.-Pflegeinnovationszentrum-Technologien-für-eine-bedarfsgerechte-Zukunft-der-Pflege.pdf

https://www.das-alter-hat-zukunft.de/de/forschungsfelder/mit-guter-pflege-zu-mehr-lebensqualitaet

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Pflege/_inhalt.html

Weiterführende Links:

https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/startseite

http://www.altersgerechte-lebenswelten.de