Jens Spahn: Jung. Umstritten. Konservativ.

Wer ist eigentlich Jens Spahn genau? Wie sah das Leben unseres aktuellen Gesundheitsministers bisher so aus, was zeichnet ihn aus und welche Positionen vertritt er? Seine Politik spaltet die Meinungen in Deutschland. Die Kanzlerin lobt ihn für seine zahlreichen Gesetzesentwürfe, die Pflegekräfte aber sind unzufrieden. Kann er den Pflegenotstand wirklich bekämpfen?

Spahn’s Mission: Kanzler!

Sein Name ist Jens Georg Spahn. Sein Lebensziel: Kanzler werden. Das sagte er zumindest vor mehr als 20 Jahren im Französischunterricht am Gymnasium, als er gefragt wurde, was er mal werden möchte. Und schaut man sich seinen Werdegang bis heute an und die Menge an Gesetzesentwürfen, die er als Gesundheitsminister innerhalb von eineinhalb Jahren durchgesetzt hat, dann scheint dieses Ziel definitiv noch aktuell zu sein.

Der Riese aus dem Münsterland

Mit gerade erst 39 Jahren ist Spahn ein echter Jungspund unter seinen konservativen Kollegen. Auch optisch scheint der Mann aus Ahaus nicht ins Bild zu passen: Ein 1,91-Meter-Hüne mit Schuhgröße 49 und Geheimratsecken, im modisch kurz geschorenem Haar. Dann noch die Hornbrille, die er so selbstbewusst trägt wie ein Hipster aus Berlin-Kreuzberg. Spahn wuchs zusammen mit seinen zwei jüngeren Geschwistern im Münsterland auf, machte dort 1999 sein Abitur und anschließend seine Berufsausbildung zum Bankkaufmann. Von 2003 bis 2017 studierte Spahn neben seiner Arbeit im Bundestag Politikwissenschaften. An der Fernuniversität Hagen machte er später seinen Master of Arts. Von 2009 bis 2015 war Spahn Mitglied des Verwaltungsrates der Sparkasse Westmünsterland, von 2006 bis 2010 war er an einer Lobbyagentur für Pharmaklienten namens „Politas“ beteiligt, gleichzeitig war er aber auch Mitglied im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages. Der Focus warf ihm deswegen auch finanzielle Interessenkonflikte vor.

Parteifreunde drohten Jens Spahn mit dem Outing

Seit 2017 ist Jens Spahn mit dem Journalisten Daniel Funke verheiratet. Aus seiner ehemaligen „Schwäche“ machte er eine Stärke. Während ihm im Alter von 21 Jahren noch Parteifreunde mit einem öffentlichen Outing drohten, setzt er sich jetzt für die Rechte von Trans- und Homosexuellen ein und will aktuell gegen die Konversationstheraphie vorgehen. Obwohl er Katholik ist, kritisierte Spahn offen die Stellung der Kirche zur Homosexualität und stimmte für die „Ehe für alle“. Seinem Glauben bleibt er trotz Unstimmigkeiten treu, denn schließlich ist er nicht mal 100 Meter von der Kirche seines Ortes aufgewachsen. Für ihn bedeute der Glauben Heimat, Geborgenheit, Sicherheit und Gelassenheit.

„Er schafft ne Menge weg.“

Er wickelt sie alle um den Finger. Selbst Angela Merkel kam bei einer Pressekonferenz nicht umher zu sagen: „Er schafft ne Menge weg.“ Anders kann man das bei 16 Gesetzesentwürfe in 16 Monaten auch nicht ausdrücken. Spahn sagt, er wolle den Bürgern schneller einen Termin beim Arzt verschaffen, ihre Kinder vor Masern schützen und die überfüllten Notaufnahmen der Krankenhäuser leeren. Mit seiner Hilfe sollen die Menschen bald ihre Patientenakten auf dem Smartphone lesen können, und am besten sollte auch noch ihr Krankenkassenbeitrag sinken, damit sie ein wenig mehr vom Gehalt übrig haben. Mit diesen Versprechen kommt Spahn bei der breiten Bevölkerung gut an.

Pflegekräfte sind mit seiner Arbeit unzufrieden

Doch gerade aus der Pflege kommen immer öfter kritische Stimmen gegen den Katholiken auf. Sein Entwurf des Reha- und Intensivpflegegesetzes von Betroffenen als Einschränkung der eigenen Freiheit gesehen. Die versprochenen 13.000 zusätzlichen Altenpflegestellen sind noch nicht in Aussicht. Und Krankenhäuser weisen darauf hin, dass die von Spahn geplanten Personaluntergrenzen bedeuten können, dass Kliniken Patienten abweisen oder sogar schließen müssen. Sein gewünschter Mindestlohn von 14 Euro für Pflegekräfte erscheint für viele Kritiker wie „aus der Luft gegriffen“ und nicht sinnvoll. Tarifverträge sind für viele Pflegekräfte die bessere Alternative.
Doch solche Rückschläge nach seinen Wahlversprechen scheinen Spahn kaum zu belasten – Niederlagen scheinen förmlich von ihm abzuperlen. Ein weiterer Gesetzesentwurf folgt dem nächsten.

Dafür steht Jens Spahn noch:

Er ist gegen Abtreibung und äußerte sich in einem Interview mit der Bild so dazu: „Mich wundern die Maßstäbe: Wenn es um das Leben von Tieren geht, da sind einige, die jetzt für Abtreibungen werben wollen, kompromisslos. Aber in dieser Debatte wird manchmal gar nicht mehr berücksichtigt, dass es um ungeborenes menschliches Leben geht.“
Finanz- und Europapolitisch ist er gegen einen Schuldenschnitt für Griechenland und spricht sich zudem für einen vorsichtigen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank aus. Obwohl er Katholik ist, kritisiert er die Kirchen dafür, dass sie zu oft zu gesellschaftspolitischen Fragen Stellung beziehen würden. Ebenso kritisiert er die Einstellung der Kirche zur Homosexualität. Er stimmte für die „Ehe für alle“. Spahn ist ein klarer Gegner von Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Er ist für die Einschränkung der doppelten Staatsbürgerschaft und für die Einführung eines Islamgesetzes. Die Legalisierung von Cannabis ist für Spahn keine Option. Dazu meinte er in einem Interview mit der Huffington Post: „Wer die Folgen von regelmäßigem Cannabis-Konsum relativiert, ist auf einem gefährlichen Holzweg.“