Mobbing in der Pflege

Eigentlich ist Mobbing kein spezifisches Problem der Pflege. Aber in diesem Berufsfeld gibt es nunmal Strukturen, die solche Schikanen nachgewiesener Maßen begünstigen. Wieso ist Mobbing in der Pflege so weit verbreitet?

 

Pflegekräfte mobben häufiger

Am häufigsten ist Mobbing laut der EU-Studie „Europäische Erhebung über die Arbeitsbedingungen“ aus dem Jahr 2012 in den Pflegeberufen vertreten. „Mobbing ist Teil des beruflichen Alltags Pflegender“, ist das Fazit von Dr. Jeannette Drygalla, die im Jahr 2010 etwa 1000 Pflegekräfte an sechs deutschen Unikliniken zum Thema Mobbing befragte. Jede fünfte Pflegekraft hat sich bereits einmal als Opfer von Mobbing gefühlt. Etwa jeder Zweite hat schon mindestens einmal beobachtet, wie jemand dauerhaft gedemütigt wurde. Und etwa jeder Zehnte gab zu, selbst schon mal gemobbt zu haben.

Mobbing? Nicht bei uns!

Fragt man Führungskräfte in sozialen Einrichtungen danach, ob es in ihrem Team Mobbing gibt, so wird die Frage in der Regel verneint. Solche Schikanen gibt es immer woanders – aber nicht bei uns! Dabei sind Konflikte am Arbeitsplatz mit den Kollegen oder Vorgesetzten nicht unüblich. Man kann nicht jeden Kollegen leiden oder ist nicht immer mit der Arbeit der Vorgesetzten zufrieden. Bei Konflikten ist der Dialog wichtig. Doch Probleme werden von Führungskräften auch gerne mal ausgeblendet. Das kann auch daran liegen, dass die Grenzen zwischen Konflikt und Mobbing im Arbeitsleben oft fließend sind und deshalb nicht immer oder zu spät erkannt werden.

Ab wann spricht man von Mobbing?

Mobbing liegt vor, wenn ein „schikanöses Handeln einer oder mehrerer Personen vorliegt und diese schikanösen Handlungen über einen längeren Zeitraum wiederholt werden.“  Diese Handlungen werden mit der Absicht vorgenommen, das Opfer und sein Ansehen zu schädigen oder aus seiner Position zu vertreiben.

Warum schikaniert man seine Kollegen?

Teammitglieder, die andere Kollegen mobben, handeln so meist aus dem Bedürfnis heraus, die eigene Position zu festigen. Genauso kann es vorkommen, dass durch diese Gemeinheiten Kündigungen hervorgerufen werden sollen, um Geld zu sparen. Weitere Gründe können auch das Geschlecht oder hohe Fehlzeiten sein. Die Ursachen können also ganz unterschiedlich sein. Mit dem Opfer wird oft ein „Sündenbock“ gefunden, bei dem man seine Frustration abbauen kann.

Was sind die Beweggründe der Mobber?

Die genannten Faktoren sind aber nicht immer der wahre Ursprung für das moralisch fragwürdige Handeln der Mobber. Die Angriffe werden meist durch Neid, Missgunst oder Kränkungen hervorgerufen. Oft stehen Ängste, Stress oder Frustrationen im Vordergrund, wenn es um Schikane unter Kollegen geht. Solche Ängste sorgen bei Betroffenen entweder für ein Fluchtverhalten oder aber eben für eine Verteidigung. Und diese Verteidigungshandlung ist oft der Angriff auf eine schwächere Person damit man selbst stärker erscheint.

Konflikte müssen geklärt werden

Gerade in der Pflege sind Personen besonders häufig Faktoren wie Stress und Frustrationen ausgesetzt. Die Addition aller Probleme in der Pflege könnte erklären, warum gerade in diesem Beruf Mobbing scheinbar so häufig vorkommt.
Heikle Themen wie diese werden in der Regel nicht offenen von den Opfern angesprochen, aber die Konflikte führen dennoch zu Störungen und negativen Konsequenzen im betrieblichen Ablauf. Deshalb sollte im Team alles daran gesetzt werden, die Konflikte zu klären und Intrigen unter Kollegen sollte nicht ignoriert werden.

Quelle:
http://digital.bibliothek.uni-halle.de/hs/content/titleinfo/779249