Neuer Pflege-TÜV: Versorgungsqualität jetzt im Mittelpunkt

Keine Pflegebestnoten mehr: Ab dem 1. November startet mit dem Pflege-TÜV das neue Bewertungssystem für Pflegeheime. Das Ziel ist, schwere Mängel in Einrichtungen zu erkennen und für einen besseren Vergleich zu sorgen. Sanktionen bis hin zum Entzug des Versorgungsauftrages können verhängt werden.

Einen Angehörigen in ein Pflegeheim zu geben ist kein einfacher Schritt. Um die Entscheidung leichter zu machen welche Einrichtung die Richtige ist, konnten Betroffene sich bisher an einer Bewertungsnote durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) und den Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung (PKV-Prüfdienst) orientieren. Diese sollen nun abgeschafft und durch ein verbessertes System ersetzt werden: Den Pflege-TÜV.

Bisherige Bewertungen nicht qualitativ

Die bisher durchgeführten Bewertungen des MDK und PKV setzte sich aus zwei Schritten zusammen. Zum einen wurde überprüft, ob bestimmte Kriterien erfüllt oder nicht erfüllt sind. Zum anderen wurden quantitative Stichprobebefragungen der Bewohner über verschiedene Faktoren durchgeführt. Diese Methode ließ jedoch die Qualität der verschiedenen Kriterien außer Acht, wodurch Heime kaum vergleichbar waren und meist Bestnoten erzielten. Dies soll nun geändert werden.

Mehr Qualitätsindikatoren mit dem Pflege-TÜV

Das neue Verfahren wird pflegerelevante Kriterien zukünftig deutlich höher gewichten als bisher und Faktoren wie die Animation in den Hintergrund rücken. Zu diesen Kriterien gehören unter Anderem die Wundversorgung, krankheits- und therapiebezogene Behandlungen, Medikamentenvergabe sowie die Unterstützung zur Erhaltung der Mobilität und Selbstversorgung. Das vom Spitzenverband der Kassen (MDS), des Medizinischen Dienstes und des Sozialverbandes VdK neu entwickelte System beginnt ab dem 1. November 2019. Das Ziel ist es, bis Ende 2020 alle Heime durch den MDK überprüft zu haben. Bei Verstößen sollen die Krankenkassen nun Sanktionen verhängen können, bei schwerwiegenden Mängeln kann den Heimen sogar der Versorgungsauftrag entzogen werden.

In zwei Schritten mit dem Pflege-TÜV zur aussagekräftigeren Bewertung

Die Überprüfung des MDK bleibt zwar bestehen, geht jedoch nach einem neuen Bewertungsschema vor. Pflegerelevante Kriterien werden in vier verschiedenen Kategorien eingeordnet, die aussagen, ob kein Defizit, ein Defizit ohne Risiken, ein Defizit mit dem Risiko negativer Folgen oder ein Mangel mit bereits eingetretenen negativen Folgen besteht.
Zusätzlich wird es nun eine interne Qualitätskontrolle geben, welche von Außen überprüft wird. Die Heime müssen halbjährlich ihre intern erhobenen Daten an eine Auswertungsstelle senden, welche diese verarbeitet und mit denen des MDK abgleicht

Kritik an Informationsflut

Es gibt jedoch nicht nur positive Reaktionen auf das neue System. Statt auf eine einzelne Note werden die Angehörigen zukünftig auf eine deutlich größere Datenmenge stoßen, welche zwar differenziertere Aussagen treffen kann, jedoch kaum eine schnelle Vergleichbarkeit gewährleistet. Kritiker fordern einen Pflege-TÜV, welcher leicht verständlich ist und durch eine aussagekräftige Gesamtnote einen direkten Vergleich möglich macht. Auch muss darauf geachtet werden, dass der Aufwand für die Einrichtungen nicht zu groß wird, damit die Pflegeleistung nicht unter der Prüfung leidet.