Pflegeinnovationen erleichtern die Pflege von Menschen mit Demenz

Drei Millionen Deutsche könnten im Jahr 2050 an Demenz leiden. Das besagte eine Schätzung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) aus dem Jahr 2017. Schon jetzt leiden fast 1,6 Millionen Deutsche an Demenz – pro Jahr erkranken rund 300.000 Menschen. Für Familie und Erkrankte ist diese Beeinträchtigung des Gedächtnisses eine enorme Belastung.

Die Demenzzahlen steigen an – oder doch nicht?

Wie stark die Demenzzahlen in den nächsten Jahren wirklich ansteigen könnten, ist umstritten. Unterschiedliche Studien verweisen darauf, dass die Lebensbedingungen in den westlichen Ländern immer besser werden. Bessere Bildung und gesündere Lebensweise könnten mehr Menschen vor Demenz schützen. Wiederum andere Studien sehen nicht so optimistisch in die Zukunft, da die steigende Anzahl von Menschen mit Übergewicht und Diabetes diese Besserungen zunichte machen könnte. Denn sowohl Übergewicht als auch Diabetes sind Risikofaktoren für Demenz.

Kabinett beschließt nationale Demenzstrategie

Zum 1. Juli 2020 verabschiedete das Bundeskabinett die nationale Demenzstrategie, welche dabei helfen soll, Deutschland demenzfreundlicher zu gestalten. 2026 soll Bilanz gezogen werden. Mit der Strategie will man sich auf die erwartete hohe Zahl an Demenzkranken bis 2050 vorbereiten. In einem gemeinsamen Statement betonten Bundesseniorenministerin Dr. Franziska Giffey, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek: „Wir brauchen ein neues Bewusstsein in allen Bereichen des Lebens, soziale Unterstützungsnetzwerke vor Ort, gute medizinische Versorgung und erstklassige Forschung.“ Dafür vereinbarte man 27 Ziele und circa 160 konkrete Maßnahmen. Unter anderem sollen Krankenhäuser für Demenzkranke sensibilisiert, regionale Demenznetzwerke ausgebaut und ehrenamtliche Beratungsstellen ausgebaut werden. Weitere Punkte aus dieser Strategie könnt ihr aus der Pressemitteilung vom Bündnis für ein demenzfreundliches Deutschland entnehmen.

Pflegeinnovationen für Menschen mit Demenz

Deshalb fördert das BMBF Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen und entlasten sollen. Pflegeinnovationen für Menschen mit Demenz – das ist der Förderschwerpunkt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Gefördert werden Projekte, die innovativ sind und somit über den aktuellen Stand der bisher entwickelten Technologien hinausgehen. So soll die Lebensqualität für Menschen mit Demenz stabilisiert und verbessert werden können, aber auch Pflegende sollen unterstützt und entlastet werden. Gefördert werden u.a. Projekte, die molekulare Details der Krankheitsursachen entschlüsseln, Diagnoseverfahren entwickeln oder neue Wege suchen, um die Entwicklung von Demenz aufzuhalten. Dafür stellt das BMBF allein dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) rund 78 Millionen Euro zur Verfügung.

Verschiedene Projekte, die auch Pflegende unterstützen

Geförderte Projekte wie iSenDi oder Perlen erleichtern nicht nur Erkrankten, sondern auch Pflegekräften den Alltag. Beim geförderten Projekt iSenDi wurde zum Beispiel ein kabelloses, nicht-invasives Sensorsystem entwickelt, das bei bettlägerigen Demenzpatient*innen Belastungszustände wie Schmerz-, Atemnot- oder Angstattacken erkennt und meldet. Das ermöglicht es Pflegenden, schneller zu reagieren. Beim Projekt Perlen stehen Menschen mit Demenz und Diabetes mellitus im Fokus. Angehörige und Betroffene können mit Tablets und Smartphones in den Dokumentationsprozess integriert werden. Mit Technologien wie Wearables und Tangibles können auch Daten und Vitalparameter eigenständig erfasst werden. So soll der Dokumentationsaufwand verringert und die aktivierende Pflege unterstützt werden.

Quellen:

https://www.bmbf.de/de/3-millionen-deutsche-koennten-im-jahr-2050-an-demenz-leiden-4826.html

https://www.deutsche-alzheimer.de/ueber-uns/presse/artikelansicht/artikel/neues-informationsblatt-der-deutschen-alzheimer-gesellschaft-alle-100-sekunden-erkrankt-in-deutsch.html

https://www.technik-zum-menschen-bringen.de/projekte/isendi

https://www.technik-zum-menschen-bringen.de/projekte/perlen