Pflegekräfte aus Osteuropa während der Corona-Krise

Besonders während Covid-19 wird der Personalmangel in den Pflegeberufen deutlich.  An allen Ecken fehlt es an Pflegekräften. Viele bleiben, vor allem jetzt, aus Angst vor einer Ansteckung zu Hause oder haben sich sogar schon mit dem Virus angesteckt. Zusätzlich fielen, z. B. in Österreich, über Wochen Pflegekräfte aufgrund der Grenzschließungen aus den östlichen Ländern Europas als Unterstützung weg.

Sorge vor Versorgungsnotstand

Zu Beginn der Pandemie war die Sorge groß: Was passiert, wenn all die Pflegekräfte aus den osteuropäischen Ländern nicht mehr nach Deutschland einreisen dürfen? Auch in der Presse wurde dies thematisiert und diskutiert.

Der Geschäftsführer des Verbandes für häusliche Betreuung und Pflege (VHBP), Frederic Seebohm, rechnete noch vor Ostern mit 100.000 bis 200.000 Menschen, die nicht mehr versorgt werden können und aufgrund dessen in Altenheimen oder Kliniken unterkommen müssen, oder sogar ganz alleine zu Hause bleiben müssen. Denn laut VHBP kommen in Deutschland ca. 300.000 Pflegekräfte aus den Nachbarländern, oder sogar aus noch weiter entfernten Ländern.

Kritik

Trotz dessen, dass die osteuropäischen Pflegekräfte dringend benötigt werden, ist die Sorge groß. Denn durch die Einreise besteht ebenso die Gefahr, dass das Virus weiter verbreitet und nach Deutschland verschleppt wird. Ebenso haben auch die Pflegekräfte selbst Angst, sich bei den PatientInnen mit dem Virus anzustecken und diesen in ihr Heimatland zu tragen.

Grundsätzlich wird die Arbeit in Deutschland aber für viele ausländische Pflegekräfte immer unattraktiver. Das merken auch die KlientInnen. Die Arbeit wird immer unzuverlässiger und die Sprachbarriere wird ein immer größeres Thema. Um den Pflegekräften einen größeren Anreiz zu geben, in Deutschland zu arbeiten, forderte der Verband für häusliche Betreuung und Pflege nun einen finanziellen Anreiz in Höhe von 1.000 Euro monatlich.

Schwarzarbeit in der Pflege

In Deutschland gab es für Berufspendler keine großen Einschränkungen. Das viel größere Problem: Schwarzarbeit! Von den 300.000, in Deutschland tätigen, Pflegekräften aus osteuropäischen Ländern betreiben schätzungsweise 90 Prozent Schwarzarbeit.

Viele der osteuropäische Pflegekräfte, die ohne Arbeitsvertrag, und damit schwarz arbeiten, sind zwar privat nach Deutschland eingereist, um weiterhin arbeiten zu können, befinden sich aber teilweise noch in häuslicher Quarantäne.

Teilweise haben sich diese Pflegekräfte sogar zu ganzen Netzwerken zusammengefunden, um gemeinsam Transporte nach Deutschland zu organisieren. Doch auch das gestaltet sich für einige schwierig, da viele Busunternehmen aufgrund der Corona-Krise ebenfalls ihre Arbeit eingestellt haben.

Auch in Österreich osteuropäische Pflegekräfte

Auch in Österreich hatten die Menschen Sorge um die Pflege. Aufgrund des Lockdowns des gesamten Landes und der einhergehenden Grenzschließungen durften auch hier nur noch Berufspendler mit Nachweis einreisen. In der vergangenen Woche kamen in Wien das erste Mal seit der Pandemie wieder mehrere Pflegekräfte aus Osteuropa auf einen Schlag in das Land.

80 Pflegekräfte reisten Mitte Mai per Zug ein, um zu unterstützen. Und das soll nicht der letzte gewesen sein. Weitere Züge mit Pflegekräften für die 24-Stunden-Betreuung durften bereits in das Land einreisen und haben die Erlaubnis, zu arbeiten.

Quellen:

https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Corona-Krise-erschwert-haeusliche-Pflege,pflegekraefte142.html

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/sw/Ausl%E4ndische%20Pflegekr%E4fte?s=&p=1&n=1&nid=111353

https://www.nachrichten.at/politik/landespolitik/pflegekraefte-aus-rumaenien-land-zahlt-covid-tests;art383,3257487

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/coronavirus-pflege-ostern-100.html