Pflegeversicherung: Die Möglichkeiten seine Pflege zu finanzieren

Gibt es einen Pflegefall in der Familie oder im eigenen Bekanntenkreis kommen viele Fragen auf: Was für Kosten kommen auf mich zu? Was für Möglichkeiten gibt es bei der Finanzierung der Kosten? Welche Leistungen erhalte ich bei welcher Art der Pflegeversicherung? In diesem Artikel versorgen wir Dich mit den wichtigsten Fakten rund um das Thema der Pflegefinanzierung.

Der erste Schritt

Um im Pflegefall grundsätzlich Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen zu können, muss zunächst der Pflegegrad des Pflegebedürftigen festgestellt werden. Bis 2016 gab es drei Pflegestufen, inzwischen sind es fünf Pflegegrade. Diese sind ausschlaggebend dafür, welche Leistungen von der Pflegekasse übernommen werden.

Die gesetzliche Pflegeversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung setzt bei allen Arbeitnehmern, Auszubildenden, Rentnern und freiwillig versicherten ein. Diese trägt alle Leistungen der häuslichen Krankenpflege nach SGB V. Bei ärztlich verordneter häuslicher Krankenpflege werden die Kosten vollständig von der Krankenversicherung übernommen. Ebenso werden alle unmittelbar medizinisch angezeigten Leistungen von der Krankenversicherung übernommen.

Alle gesetzlich Krankenversicherten sind auch automatisch in der sozialen Pflegeversicherung versichert. Diese sichert die Versicherten allerdings nur gegen eine übermäßige Belastung ab. Die Gesamtkosten der Pflege werden hier nicht übernommen.

Welche Leistungen beinhaltet die gesetzliche Pflegeversicherung?

Übernommen von der gesetzlichen Versicherung werden:

  • Pflegegeld für die häusliche Pflege
  • Pflegende Angehörige oder Ehrenamtliche
  • Pflegesachleistungen
  • Pflegehilfsmittel
  • Entlastungsbeträge
  • Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege
  • Kosten zur Wohnraumanpassung

Die private Pflegeversicherung

Bei der privaten Pflegeversicherung gibt es drei unterschiedliche Zusatzversicherungen zwischen denen gewählt werden kann:

Bei der Pflegerentenversicherung handelt es sich um eine Lebensversicherung. Hierbei wird eine monatliche Rente ab Eintritt der Pflegebedürftigkeit ausgezahlt. Diese ist abhängig vom jeweiligen Hilfsumfang des Pflegebedürftigen.

Die Pflegekostenversicherung übernimmt teilweise oder im Gesamten die Restpflegekosten, welche nicht durch die gesetzliche Pflegeversicherung gedeckt werden.

Bei der Pflegetagegeldversicherung erhält der Pflegebedürftige pro Tag ein Tagegeld. Dieser richtet sich nach der anerkannten Pflegestufe. Wofür dieses Tagegeld genutzt wird ist in diesem Fall unerheblich. Es muss nicht zwingend für die Pflege genutzt werden, sondern kann auch im Privaten ausgegeben werden.

Aktuelle Entwicklungen des Eigenanteils der Pflegekosten

Aktuell liegen die durchschnittlichen Kosten, die ein stationärer Patient selbst tragen muss, bei rund 1.800 Euro. Diese Kosten können je nach Region in Deutschland stark schwanken. In jedem Fall ist es aber viel Geld, welches die Pflegebedürftigen und häufig auch die Familie nicht zur Verfügung haben. Aufgrund dessen fordert Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storck eine Reform der Pflegeversicherung. Im Gespräch ist eine Obergrenze für den Eigenanteil an den Pflegekosten. Diese soll bei maximal 500 Euro liegen, einen zusätzlichen Teil sollen ihrer Meinung nach die Krankenkassen übernehmen.

Jens Spahn zeigt sich zu dem Vorhaben bisher nicht positiv eingestellt. Es steht im Widerspruch mit seiner „konzertierten Aktion Pflege“. Das Problem: Seine Pflegereformen zur Verbesserung der Personalsituation und Entlohnung sind zum Teil Mit-Verursacher der steigenden Kostenbeteiligung. Ein abgerundetes Finanzierungskonzept, mit dem alle Beteiligten in der Pflege zufrieden sind, gibt es noch nicht.