Politik wirbt Pflegekräfte im Ausland an

Deutschland braucht mehr Pflegepersonal. Und das Gesundheitsministerium setzt weiterhin auf Pflegekräfte aus dem Ausland. Vertreter reisen nun sogar auf die Philippinen, um dort Fachkräfte anzuwerben. Kritik gibt es dafür vom zuständigen Berufsverband. Im Kampf gegen den Pflegenotstand greift die Politik immer öfter zu Fachkräften aus dem Ausland. Besonders die Philippinen sind aktuell hoch im Kurs. Anfang August reiste die Arbeitsministerin Sabine Weiss (CDU) sogar nach Südostasien um dort mit dem Arbeitsminister der Philippinen, Silvestre Bello III, über die Arbeitsmöglichkeiten der dortigen Pflegekräfte in Deutschland zu reden. Konkret geht es dabei um die Frage, wie man philippinische Pflegekräfte noch in der Heimat auf ihren Job in Deutschland vorbereiten kann und wie man ihnen später das Anerkennungsverfahren erleichtern kann.

Auch im Kosovo werden Pflegekräfte angeworben

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte bereits im Juli mit seinem kosovarischen Kollegen Uran Ismajli eine Absichtserklärung unterzeichnet, die die Zusammenarbeit beider Länder in der Ausbildung und Anerkennung von Pflegefachkräften sichert.

Bei dem Gespräch von Sabine Weiss mit dem philippinischen Arbeitsminister wurden schließlich kürzere Visa-Verfahren, Sprachkurse und eine enge Zusammenarbeit von Krankenhäusern, Pflegeheimen, privaten Vermittlern und staatlichen Behörden als Maßnahmen genannt.
„Wie mit dem Kosovo wollen wir auch mit den Philippinen gut zusammenarbeiten, um mehr Pflegekräfte für Deutschland zu gewinnen“, sagte Sabine Weiss. Aus ihrer Sicht könnten beide Seiten von dieser Zusammenarbeit profitieren. Für Deutschland sei dies die richtige Antwort auf den Fachkräftemangel, für das südostasiatische Land bietet es die Möglichkeit auf attraktive Arbeits- und Fortbildungsmöglichkeiten.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind viele Pflegekräfte in dem Land sehr gut ausgebildet. Im ersten Halbjahr 2019 genehmigte die Regierung hier über 25.000 Ausreiseanträge für Pflegekräfte, davon sollen 1500 nach Deutschland kommen. In Deutschland fehlen zur Zeit 80.000 Pflegekräfte, um eine Stelle zu besetzen brauchen Altenheime im Schnitt 183 Tage.

Es gibt auch Kritik an die Pflegekräfte aus dem Ausland

Trotz des hohen Bedarfs an qualifizierten Pflegekräften gibt es kritische Stimmen gegen das Vorhaben der Politik. Der Aufwand sei immens, benötige enorme zeitliche und personelle Ressourcen und deshalb sei es fragwürdig, ob man diesen langen Prozess der Anwerbung, Vermittlung und Integration als Erfolg werten kann. Denn schließlich müssen die neuen Pfleger langfristig im Land integriert werden – sie sind nicht nur hier, um kurzfristige Versorgungsengpässe auszugleichen. Außerdem müsse das Ministerium darauf achten, dass durch das Abwerben nicht auch ein Fachkräftemangel in den Partnerländern entstehe.

Das Gesundheitsministerium sagt dazu, dass man sich bei der Anwerbung von Personal aus dem Ausland an den Verhaltenskodex der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur internationalen Rekrutierung von Gesundheitsfachpersonal halte. Außerdem würde man nur Fachkräfte aus Ländern anwerben, die auch wirklich mit der Fachkräftemigration zusammenarbeiten wollen und einen Überschuss an Pflegekräften haben.