Teufelskreis Zeitarbeit: Geht es nur um Profit?

Zeitarbeit in der Pflege – Fluch und Segen zugleich. Sie helfen nicht nur dabei den Fachkräftemangel in Festanstellungen auszugleichen, sie tragen gleichzeitig zu der Unterbesetzung bei. Doch immer mehr Pflegekräfte entscheiden sich für die Zeitarbeit. Der entstehende Teufelskreis muss durchbrochen werden, um für alle Beteiligten ein zumutbares Arbeitsklima zu schaffen und eine gute Pflege gewährleisten zu können.

Katastrophaler Personalschlüssel in Einrichtungen

Der immense Fachkräftemangel, wie auch die zeitweise hohen Krankheitsausfälle, können von dem internen Personal von Pflegeeinrichtungen inzwischen nicht mehr ausgeglichen werden. Hier kommen die Zeitarbeitsfirmen zum Einsatz. Sie sind eine Anlaufstelle für Institutionen die professionelles Personal stellt, das bei akuter Unterbesetzung einspringt. Dies soll die internen Mitarbeiter entlasten. Doch ist die Zeitarbeit wirklich eine Entlastung und was bedeutet sie für die einzelnen Parteien?

Die Leiharbeitsfirmen bieten den Pflegekräften höhere Gehälter und bessere Arbeitszeiten. Auch die zeitliche Begrenzung der verschiedenen Einsatzorte scheint attraktiv: schlechte Bedingungen müssen nur kurzzeitig ertragen werden, institutionsinterne Probleme und Konflikte werden umgangen.

Zeitarbeit ist nur auf dem Konto attraktiv

Ist die Zeitarbeit aber wirklich so attraktiv? Die Bedingungen scheinen auf dem Papier sehr reizvoll, doch die Kehrseite kein festes Mitglied eines Teams zu sein, ist ebenso beachtlich. Das Personal kann keine betrieblichen Vorteile nutzen und ist niemals wirklich integriert. Auch müssen die Arbeitnehmer sich auf jeden Einsatzort neu einstellen, kennen weder die internen Regeln noch Abläufe. Zudem werden sie vermehrt in Einrichtungen geschickt, in denen aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen großer Personalmangel herrscht. Diese Faktoren haben zum Ergebnis, dass das Personal sich distanziert und das Verantwortungsgefühl gegenüber der Arbeitsstellen abnimmt.

Ist Zeitarbeit wirklich eine Entlastung?

Aufgrund des häufigen Wechsels von Einsatzorten ist das Leihpersonal oft nicht eingearbeitet. Dies führt dazu, dass das Stammpersonal diese zusätzlich übernehmen muss. Eine wirkliche Entlastung ist so nur bedingt gewährleistet, da die Verantwortung für dieses zunimmt. Zudem steigt der Unmut über die Unzuverlässigkeit der Zeitpflegekräfte, welche teilweise trotz Zusage nicht erscheinen.

Auch die Pflegequalität leidet unter den mangelnden Strukturkenntnissen und dem verminderten Verantwortungsgefühl. Nicht nur eine Bezugspflege wird dadurch unmöglich, auch die Patientensicherheit kann massiv gefährdet werden.

Der 1. Platz geht an die Vermittler

Mit besseren Arbeitsbedingungen werben Zeitarbeitsfirmen gezielt das Personal aus den Einrichtungen ab, was dort den Personalmangel verstärkt und die Arbeitsunzufriedenheit fördert. Ein Teufelskreis entsteht. Das überarbeitete Personal lässt sich so einfacher abwerben und der Bedarf an externen Aushilfen, die die Unterbesetzung ausgleichen, steigt. Die Institutionen beklagen, dass es ohne die Leiharbeitsfirmen mehr Festanstellungen gäbe, welche dann mit höheren Löhnen und besser verteilten Schichten attraktiver gestaltet werden können. Für das Pflegepersonal auf beiden Seiten würde dies deutlich bessere Arbeitsbedingungen bedeuten. Auch ist der dauerhafte Einsatz von externem Personal ein immenser Kostenfaktor, welche die Häuser belastet.

Zeitarbeit ist also als Lösungsansatz gut gedacht, jedoch sowohl für die Einrichtungen als auch beide Seiten des Personals im Grunde eine Vergrößerung des Problems und eine kaum zumutbare Arbeitssituation. Die einzigen die wirklich zu profitieren scheinen, sind die Vermittlungen. In Berlin entstand genau deshalb die Forderung, dass Zeitarbeit in der Pflege verboten werden müsse.