Warum verdienen Pflegekräfte im Osten weniger?

Gerade bei den aktuellen Diskussionen um den Mindestlohn in der Pflege kommt die Frage häufiger: Warum verdienen Pflegekräfte im Osten eigentlich weniger? Unterschiede zwischen Ost und West sind auch mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer ein aktuelles Thema. Viele haben durch den geringeren Lohn das Gefühl, weniger Wert zu sein als die Kollegen im Westen. Wie kommt dieser Gehaltsunterschied zustande und ist er überhaupt sinnvoll?

Unterschiedliche Träger, unterschiedliche Löhne

Das Gehalt von Pflegekräften in Deutschland ist grundsätzlich davon abhängig für wen sie arbeiten. Rund die Hälfte der deutschen Pflegeheime wird von privaten Betreibern oder Unternehmen geführt, die übrigen werden von gemeinnützigen oder kirchlichen Verbänden geleitet. Die Unterschiede der Träger schlagen sich auch in der Bezahlung nieder.

Großer Unterschied zwischen Osten und Westen

Die Unterschiede in der Bezahlung sind jedoch besonders zwischen Ost und West festzustellen. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung verdienen Kräfte im Westen Deutschlands etwa durchschnittlich 2.855 Euro brutto im Monat, wohingegen es im Osten etwa 500 Euro weniger sind. Auch im Bezug auf den Mindestlohn in der Pflege gibt es deutliche Unterschiede. In Westdeutschland liegt der Mindestlohn seit dem 01. Januar 2020 bei 11,35 Euro, in Ostdeutschland gerade mal bei 10,85 Euro. Obwohl im Osten und Westen in Pflegeeinrichtungen dieselbe Arbeit verrichtet wird, gibt es in der Bezahlung noch immer eine große Kluft.

So viel verdienen Fachkräfte und Helfer im Vergleich

Lohnunterschiede zwischen Ost und West gibt es nicht nur in der Pflege. Viele Arbeitnehmer haben unter dieser Diskrepanz zu leiden. So verdienen Beschäftigte in Ostdeutschland im Schnitt 23 Prozent weniger als in Westdeutschland. Bei Fachkräften in der Pflege beträgt die Differenz fast ein Viertel (‑24,4 %), bei Helfern ein Fünftel (-20,2 %). Diese Ost-West-Kluft besteht ebenso in den Pflegeberufen, fällt allerdings prozentual meist etwas geringer aus. Das mittlere Bruttoentgelt der Fachkräfte in der Altenpflege liegt in Ostdeutschland mit 2.211 Euro knapp 20 Prozent unter dem in Westdeutschland mit 2.737 Euro. Fachkräfte in der Krankenpflege erhalten dort im Mittel 11,6 Prozent weniger als im Westen. Auch bei den Helferberufen liegt der Westen vorn: Helfer, die in Ostdeutschland in der Altenpflege tätig sind, verdienen im Durchschnitt 1.662 Euro. Das ist gut ein Sechstel (-15,1 %) weniger als im Westen, wo der Verdienst 1.957 Euro beträgt. Bei Helfern in der Krankenpflege sind es sogar 23 Prozent weniger: Hier liegt der mittlere Verdienst im Osten bei 1.999 Euro, im Westen dagegen bei 2.598 Euro.

Ist das Leben im Osten billiger?

Der reine Brutto-Verdienst sagt allerdings rein gar nichts über die Kaufkraft aus. Doch auch diese aussagekräftigere Kaufkraft ist in den östlichen Bundesländern deutlich geringer als im Westen. Menschen aus Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Co. haben im Schnitt 20.000 Euro im Jahr zu Verfügung – das sind knapp 5.000 Euro weniger als Menschen aus Hamburg.

Einige werden jetzt vielleicht anmerken: Aber das Leben im Osten ist ja auch viel günstiger! Wenn man auf die Mieten schaut, scheint das auch erstmal zu stimmen. In Görlitz zahlt man zum Beispiel pro Quadratmeter nur 4,50 Euro – in München hingegen bis zu 22,70 Euro. Das ist aber auch nur ein Extrembeispiel und nicht wirklich aussagekräftig. Im Schnitt ist das Leben im Osten 15 Prozent billiger. Aber das gleicht die starken Unterschiede bei den Löhnen bei Weitem nicht aus.

Lohnunterschied nicht erklärbar

Die Diskrepanz bei den Gehältern lässt sich also in Bezug auf die Kostenunterschiede zwischen Ost und West kaum begründen. Was könnte stattdessen also der Grund für diese Differenz sein? Im Osten ist es tatsächlich so, dass viele Pflegekräfte unfreiwillig in Teilzeit arbeiten, da sie keine Vollzeitanstellung finden können. Dementsprechend ist das Gehalt auch geringer.

Mindestlohnanpassung soll kommen

In einem Beschluss der Pflegekommission vom 28. Januar 2020, einigte man sich darauf, dass bereits ab dem 1. Juli diesen Jahres mit einer stetigen Anpassung der Pflegemindestlöhne in Ost- und Westdeutschland begonnen wird. Für Pflegehilfskräfte soll zum 01. September 2021 in beiden Teilen Deutschlands ein einheitlicher Mindestlohn von 12,55 Euro erreicht werden, für qualifizierte Pflegekräfte steigt dieser ab dem 01. April 2022 auf 13,20 Euro. Auch für Pflegefachkräfte wird der Mindestlohn zum 01. Juli 2021 auf einen einheitlichen Betrag von 15 Euro angehoben. Dieser soll ab dem 01. April 2022 sogar noch auf 15,40 Euro steigen.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) begrüßt den Beschluss und meint, dass dadurch endlich ein Schritt getan werde, um die „längst überkommenen unterschiedlichen Pflegemindestlöhne“ zu überwinden.

Quellen:

https://www.sueddeutsche.de/politik/pflegekraefte-loehne-spd-1.4473991

https://www.dmrz.de/wissen/news/anhebung-mindestlohn-in-der-pflege-ist-nicht-gleich-pflegemindestlohn

https://www.welt.de/wirtschaft/article136847563/Sind-Altenpfleger-nur-Pflegekraefte-zweiter-Klasse.html

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/bezahlung-von-pflegekraeften-mit-alten-menschen-ist-wenig-zu-verdienen/11289998.html

https://www.zeit.de/politik/2019-07/ostdeutschland-mehr-arbeitsstunden-weniger-lohn

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mindestlohn-pflege-1.4776053