Weg von der Volldokumentation – mehr Zeit für die Pflege

Seit 2015 setzen die Stationen des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien am medizinischen Universitätscampus (AKH Wien) das Projekt „Vereinfachung und Vereinheitlichung der stationären Pflegedokumentation“ um und arbeiten mit einem vereinfachten Dokumentationssystem. Hierfür erhielten sie nun den Lohfert-Preis 2019.

Basisleitlinien und eine vereinfachte, elektronische Dokumentation, das ist das Ziel des Projektes „Vereinfachung und Vereinheitlichung der stationären Pflegedokumentation“. Viele Punkte, welche ohnehin auf alle Patienten zutreffen, wurden zusammengefasst und unnötige Schritte in der Volldokumentation so umgangen. Damit soll eine zwar vereinfachte aber dennoch individualisierte Dokumentation geschaffen werden, ganz nach dem Motto – so wenig wie möglich, so viel wie nötig.

Unnötige Arbeitsschritte ohne die Volldokumentation ausgeschlossen

In der AKH Wien werden jährlich ca. 120.000 Menschen versorgt. Ein Drittel der Patienten kann in dem neuen elektronischen Pflegebericht mithilfe der allgemeinen Basisleitlinien dokumentiert werden. Ein weiteres Drittel hat zusätzlich stationsspezifische Leitlinien, welche beachtet werden müssen. Für diese beiden Patientengruppen besteht kein erhöhtes Risiko oder ein bekanntes Problem.
Lediglich das letzte Drittel bedarf einer spezielleren Pflegeplanung. Bei Patienten mit pflegerelevanten Risiken oder Problemen, welche länger als 72 Stunden auftreten, findet eine individuelle Planung erforderlicher pflegerischer Maßnahmen statt.

Ohne Volldokumentation: Massive Zeitersparnis

Laut Angaben der AKH Wien verzeichnet sie eine Zeitersparnis von ca 165.000 Arbeitsstunden pro Jahr. Das entspricht in etwa dem jährlichen Nettoeinkommen von 100 Vollzeitkräften. Diese Zeitersparnis kommt letztendlich dann den Patienten zugute.
Die elektronische Dokumentation bringt gegenüber der Volldokumentation noch andere Vorteile mit sich. Die Dokumente sind überall in der Klinik abrufbar, sind einfacher nachzuvollziehen, für jeden gut lesbar und können direkt miteinander verglichen werden. Verschiedene Krankenhäuser aus dem In- und Ausland haben bereits Teile des Projektes auch bei sich umgesetzt.

PflegeberaterInnen machen es möglich

Besonders die Pflegeberater auf den Stationen haben dem Projekt zum Erfolg verholfen. Sie konnten nicht nur die Kollegen in allen Pflegebereichen von der neuen Dokumentation überzeugen, sondern behielten dabei den Fokus auf die Leitlinien im Blick. Ein Kernteam von 4 Kollegen sorgte zusätzlich dafür, dass die Theorie in die Praxis umgesetzt werden konnte und trugen diese von Klinik zu Klinik weiter. Die Entwicklung der Leitlinien wurde rechtlich und pflegewissenschaftlich beraten. Die verschiedenen Pflegekräfte mussten eine spezielle Schulung absolvieren.

Preisträger mit einer Prämie von 20.000 Euro

In diesem Jahr wurde das Projekt mit dem Lohfert-Preis 2019 ausgezeichnet. Der Preis der Christopher Lohfert Stiftung stand diesjährig unter dem Motto „Mehr Zeit für den Patienten – digitale Konzepte zur Entlastung der Pflege“. Die Stiftung möchte mit diesem Preis praxiserprobte Projekte fördern, welche nachhaltig die Bedürfnisse der Patienten in Krankenhäusern in den Mittelpunkt stellen.
Bereits verschiedene Krankenhäuser aus dem In- und Ausland haben verschiedene Inhalte des Projektes auch bei sich umgesetzt.

Bei der Dokumentation können sich viele Fehler einschleichen. Was genau du als Pflegekraft dabei beachten solltest und welche Folgen Fehler in der Dokumentation haben können, liest du hier: Falsche Dokumentation: Das sind die Folgen für Pflegekräfte.