Welche Rechte Pflegekräfte nicht nutzen und warum sie es sollten

Auch Pflegekräfte haben Rechte. Doch leider sind viele sich derer gar nicht so oft bewusst und beanspruchen diese Rechte nicht für sich. Es kann sich als Pflegekraft mitunter sogar sehr lohnen, sich über Themen wie Krankmeldung, Mutterschutz, (Brücken-)Teilzeit oder den Dienstwagen genau zu informieren. Vorteile können sich dann schon vor dem Beginn eines Arbeitsverhältnisses ergeben.

Kürzung des Urlaubs wegen Elternzeit

Darf mein Arbeitgeber bei der Berechnung meines Erholungsurlaubs die Elternzeit ausklammern?
Weil während der Elternzeit das Arbeitsverhältnis nicht beendet ist, entstehen Urlaubsansprüche für den Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber kann aber den Anspruch auf Erholungsurlaub für jeden Monat in einem Kalenderjahr um ein zwölftel kürzen, sofern er dem Arbeitnehmer gegenüber eine Kürzungserklärung abgibt. Die Kürzung der Urlaubstage bezieht sich nicht nur auf den Mindesturlaub von vier Wochen pro Urlaubsjahr, sondern auch auf darüber hinaus gehende, im Arbeitsvertrag vereinbarte Urlaubsansprüche.

Fristlose Kündigung wegen einer Kleinigkeit

Wer kennt sie nicht – die häufigen Meldungen in den Tageszeitungen, bei denen Arbeitnehmer aufgrund eines Bagatelldeliktes gekündigt werden. Im Jahr 2015 wurde eine Pflegerin aus dem Raum Hamburg, die in der Notaufnahme eines Krankenhauses arbeitete, fristlos gekündigt, weil sie eine Brötchenhälfte weggenommen hatte. Das Arbeitsgericht Hamburg entschied zugunsten der Pflegerin. Als Begründung führt man unter anderem die lange Beschäftigungsdauer (23 Jahre) der Arbeitnehmerin, ihre Unterhaltspflichten gegenüber zweier Kinder, das sofortige Zugeben des Fehlers und das nicht eigennützige Handeln auf. Sofern Sie also nicht mit böser Absicht handeln und keine Wiederholungstat vorliegt, sollten Sie bei solchen Vorfällen die Kündigung nicht auf sich sitzen lassen. Seien Sie sich ihrer Rechte bewusst!

Recht auf Mutterschutz auch für Schülerinnen

65 Jahre lang bestand das Mutterschutzgesetz so wie es war. Nichts war daran zu rütteln. Erst ab Januar 2018 wurde es dann endlich reformiert und brachte auch Vorteile für Pflegekräfte mit sich. Nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Kranken- und Altenpflege-Schülerinnen in der Ausbildung fallen jetzt darunter. Der Mutterschutz gilt sechs Wochen vor und zwölf Wochen nach der Geburt. Während der Schwangerschaft und bis zu vier Monate nach der Geburt besteht Kündigungsschutz. Nachtarbeit (zwischen 22 und 6 Uhr) darf nur mit der Zustimmung eines Arztes geleistet werden. Sofern die Arbeitsbedingungen eine unverantwortliche Gefährdung für die schwangere Pflegefachperson sind, muss der Arbeitsplatz umgestaltet werden oder ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden.

Anspruch auf einen Dienstwagen

Immer mehr examinierte Pflegekräfte, die für ihre Arbeit von Ort zu Ort fahren und mobil sein müssen, bekommen einen Dienstwagen von ihrem Arbeitgeber angeboten. Möchte man den Wagen aber auch privat nutzen, sollte man sich gut über die Finanzierungsweise der Privatnutzung informieren. Denn Zusatzkosten lassen sich nicht vermeiden. Wenn Sie ihren Dienstwagen auch für private Fahrten nutzen, spricht Ihnen das Finanzamt einen geldwerten Vorteil zu. Dieser Vorteil muss von Ihnen versteuert werden, entweder durch das Führen eines Fahrtenbuches oder über die 1%-Regelung. Bei ersterem dokumentieren Sie sowohl die privaten als auch die beruflichen Strecken ganz genau, da nur die privaten Fahrten versteuert werden müssen. Sollten Sie den Wagen privat besonders häufig nutze, lohnt sich eher die 1%-Regelung, außerdem entfällt hier die lästige und aufwendige Dokumentation. 1 Prozent des Bruttolistenpreises des Wagens wird auf das monatliche Gehalt aufgeschlagen. Dadurch erhöht sich das Bruttogehalt und der monatlich zu verteuernde Betrag.

Ein Recht auf Brückenteilzeit

Dieses Recht ist nicht nur für Pflegekräfte relevant, aber eben auch: Seit November 2018 ist das Teilzeitrecht weiterentwickelt worden. Der neue Anspruch auf Brückenteilzeit ermöglicht es Arbeitnehmern, die Arbeitszeiten ohne Anlass und Gründe zu reduzieren. Nach einem im Voraus bestimmten Zeitraum zwischen einem und fünf Jahren kann man automatisch zu seiner vorherigen Arbeitszeit zurückkehren. Anspruch auf Brückenteilzeit hat grundsätzlich jeder, sofern das Arbeitsverhältnis schon länger als sechs Monate besteht, egal ob in Vollzeit oder Teilzeit. Damit der Arbeitgeber eine gewisse Planungssicherheit hat, muss der genaue Zeitraum der Teilzeit vorher angegeben und drei Monate vorher angekündigt werden. Gründe für eine Brückenteilzeit können Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Weiterbildung, die fließende Gestaltung des Übergangs in den Ruhestand oder ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeits- und Privatleben sein.

Das müssen Sie bei der Arbeit beachten

Aber es drohen auch Gefahren. Buchstäblich jeden Tag kann einer Pflegekraft eine strafrechtliche oder zivilrechtliche Haftung drohen. Um das zu vermeiden gilt: Lesen Sie aufmerksam Ihren Arbeitsvertrag und die Dienstvorschriften, halten Sie sich genau an die Anordnungen der Vorgesetzten und dokumentieren Sie ihre eigenen Tätigkeiten ganz genau. Denn: Was nicht dokumentiert wurde, gilt als nicht getan! Deshalb müssen auch alle Beobachtungen und Vorfälle bei den Pflegebedürftigen immer festgehalten werden. Eigentlich offensichtlich, aber dennoch wichtig zu erwähnen ist die Einhaltung der Schweigepflicht. Genauso sollten keine Medikamente von Ihnen ausgereicht werden, wenn Sie dafür nicht befugt sind. In Zweifelsfällen fragen Sie ruhig einen erfahrenen Kollegen.